Freundeskreis Flüchtlinge in Untertürkheim 
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Dokumente, Fotos und Zeitungsartikel

Chronik aller Dokumente, Fotos und Zeitungsartikel

DOKUMENTE JULI 2016

  • Untertürkheimer Zeitung 23.7.2016 - Flüchtlinge ziehen aus Turnhallen aus

Stuttgart bringt aktuell keine Flüchtling mehr in Turnhallen unter. Vorgestern haben die Bewohner der Turn- und Versammlungshalle Hedelfingen verlassen. Sie haben jetzt die Systembauten in der Württembergstraße in Untertürkheim bezogen. Dort waren bereits am Mittwoch die Flüchtlinge aus der Turn- und Versammlungshalle Obertürkeim eingezogen.

„Aktuell bewohnen nun rund 200 Flüchtlinge die Bauten in der Württembergstraße. Sie müssen sich jetzt erst einmal richtig einfinden“, sagt Untertürkheims Bezirksvorsteherin Dagmar Wenzel. Die hauptamtliche Betreuung übernehmen mitarbeiter der AWO. Ehrenamtlich unterstützt ein Freundeskreis die Flüchtlinge. Auch die drei anderen als Notunterkunft genutzten Hallen in Weilimdorf, Stuttgart-Ost und Birkach konnten bereits im Juni oder frühen Juli geräumt werden. Alle Hallen sollen ab Herbst wieder für ihre eigentlichen Nutzungen bereitstehen.

Einzug
Foto: : A. Tschanter

  • Untertürkheimer Zeitung 22.7.2016 - TB Untertürkheim

Zusammenarbeit in Flüchtlingsarbeit

Untertürkheim Vor kurzem hat sich in den Geschäftsräumen der Weinmanufaktur Untertürkheim ein kleiner eis von Untertürkheimer Geschäftsleuten und Weingärtnern auf Einladung des TB-Untertürkheim getroffen. Der Einladung sind neben Geschäftsleuten und Weingärtnern auch die Bezirksvorsteherin Dagmar Wenzel, Pfarrer Reinhard Mayr von der Gartenstadtkirche, der Leiter der Polizeirevierstation Peter Dieminger und Klaus Hecht vom Freundeskreis Flüchtlinge sowie Bernd Munk von der Weinmanufaktur, gefolgt.

Alwin Reger, Vorstand des TBU erläutert, wie sich der TBU auf seine Nachbarn vorbereitet.  So haben sich alle elf Abteilungen bereiterklärt zu unterstützen. Erstes Ziel ist die Aufnahme direkt in die sportlichen Aktivitäten der Abteilungen, weil man sich davon die größtmögliche Integration verspricht.
Mit ihren Ausführungen zur aktuellen Flüchtlingssituation und mit den Erfahrungsberichten aus ihrer Zeit als Staatsanwältin, wird klar, dass der TBU mit seiner Integrationsbeauftragten Rosa-Maria Wolff über große Kompetenz verfügt. Sie verschweigt auch nicht, dass bei allem guten Willen zur Integration auch mit Rückschlägen zu rechnen ist. So sollte nicht nur uneingeschränkte Dankbarkeit von Seiten der Flüchtlinge erwartet werden.
Bezirksvorsteherin Dagmar Wenzel informierte, dass die Flüchtlinge von drei hauptamtlich zuständigen Mitarbeitern der AWO betreut werden. Kursierenden Gerüchte von luxuriösen Zuständen im Wohnheim entbehrten jeglicher Grundlage. So sind drei Personen in einem Zimmer von 14 Quadratmetern untergebracht.
Es gibt nur gemeinschaftliche Nassräume und Gemeinschaftsküchen. Vorwiegend werden Syrer, Afghanen und Afrikaner erwartet, die teilweise seit über einem Jahr in Hedelfingen, Wangen und Obertürkheim auf engstem Raum in Turnhallen zusammenleben.
Erschwert wird die Integration auch, weil au ßerhalb der Wohnheime keine Wohnungen für die Flüchtlinge bereitstehen. Das ist der knappen Wohnungslage, aber auch Vorbehalten gegenüber den Flüchtlingen geschuldet, wie Klaus Hecht vom Freundeskreis Flüchtlinge berichtet.
Polizeihauptkommissar Peter Dieminger sagte, dass es mit den Flüchtlingen, die seit über einem Jahr in den besagten Vororten untergebracht waren, keinerlei polizeirelevanten Probleme gegeben habe. Konrad Jörger (Jörger Bau) bemerkte, dass gute Grundkenntnis der deutschen Sprache neben dem Beherrschen der Arbeitsaufgabe unbedingte Voraussetzung für eine Anstellung sind. Ähnlich argumentierten auch die Weingärtner. Dem Einsatz als Erntehelfer stehen zu viele arbeitsrechtliche Hürden entgegen. Hier wird über eine öffentliche Weinlese nachgedacht, die keinem kommerziellen Zweck dient.
Es könnte auch eine Gartengruppe entstehen, bei der Bürger ein Grundstück und Know-How zur Verfügung stellen. Fahrrad-Rundfahrten in die nähere Umgebung mit einem erfahrenen Guide werden von der Radsportgruppe angeboten.
Der Spielplatz auf dem Gelände des TBU wird von den Nachbarn genutzt werden. Die Familie Jörger will Natursandsteine für eine Grillstelle zur Verfügung stellen.
Die Vorgehensweise des TBU mit der Benennung einer Integrationsbeauftragten und zwei weiteren Ehrenamtlichen aus der Fußballabteilung wurde ausdrücklich als positiv hervorgehoben.

DOKUMENTE JANUAR 2016

  • UZ 9.1.2016 - Baubeginn für Flüchtlingsunterkunft

UNTERTüRKHEIM: Vorbereitende Arbeiten auf dem Gelände an der Württembergstraße -
Warten auf Baugenehmigung

12-2015
Auf dem Gelände an der Württembergstraße wird bereits gebaggert: Es sind vorbereitende Maßnahmen
für den eigentlichen Bau der drei Flüchtlingsunterkünfte. Foto: S. Allabar

(mk) - In der Württembergstraße, auf dem Gelände zwischen Unter-türkheimer Friedhof und dem TBU-Sportplatz, wird gebaggert. „Es sind vorbereitende Arbeiten für die dort geplante Flüchtlingsunterkunft“, sagt ein Pressesprecher der Stadt. Noch wartet die Stadtverwaltung allerdings auf die Baugenehmigung. Sobald sie vorliege, werde mit dem eigentlichen Aufstellen der Systembauten und dem Einrichten der Flüchtlingsunterkunft für 243 Menschen begonnen.

Mit Argusaugen beobachten die Untertürkheimer und Rotenberger die Entwicklung auf dem Gelände an der Württembergstraße. „Zuerst wurde das schöne Gartenhaus, das auf dem Grundstück stand, abgerissen“ (Haus steht noch!!Enslin) , wundert sich ein Anwohner. Im Dezember rückte dann ein Bagger an und „pflügte“ die einstigen, landwirtschaftlich genutzten Flächen um. Die Stadt hatte die Grundstücke bislang als Reserve für eine mögliche Erweiterung des Friedhofs zurückgehalten, im Sommer als Standort für Flüchtlingsunterkünfte ausgewiesen. Mittlerweile ist das Grundstück eingezäunt und Baucontainer wurden am Rand aufgestellt. Baufahrzeuge und ein Bagger wühlten Erde um und hoben Gräben aus. Gleichzeitig wurde das Gelände vermessen und Messpunkte gesetzt. Aufgrund der Bautätigkeiten gingen mehrfach Anfragen auch im Bezirksamt ein. „Bei den aktuellen Arbeiten handelt sich um vorbereitende Maßnahmen“, gab Yvonne Hummel, die stellvertretende Bezirksvorsteherin, als Auskunft. Dies bestätigte auch ein Pressesprecher der Stadt. Der offizielle Baustart werde vermutlich erst im Februar erfolgen. Das Baurechtsamt der Stadt erwarte noch im Laufe des Monats eine Baugenehmigung durch das Regierungspräsidium. Anwohner haben allerdings Einsprüche gegen das Bauvorhaben geltend gemacht. Bei Informationsabenden machten sie auf die schlechte Anbindung an den Nahverkehr und die Lage im Landschaftsschutzgebiet aufmerksam. Der Gemeinderat hatte sich dennoch mit großer Mehrheit für das Gelände ausgesprochen und Alternativvorschläge abgelehnt.

„Nach dem aktuellen Stand kann der Bau im Februar beginnen, die Unterkunft wäre dann bis Herbst fertiggestellt“, meinte ein Stadtsprecher. Die Untertürkheimer Flüchtlingsunterkunft gehört zu den Standorten der vierten Tranche, mit denen die Stadt den steigenden Flüchtlingszahlen begegnen will. Auf dem Gelände sind drei zweistöckige Systembauten geplant, in denen 243 Flüchtlinge untergebracht und auch vor Ort betreut werden können. Zusätzlich zu professionellen Flüchtlingsbetreuern hat sich ein Kreis Ehrenamtlicher gebildet, die die Stadt bei der Integration der Flüchtlinge unterstützen wollen.

DOKUMENTE DEZEMBER 2015

  • 22.12.2015 - Besuch über Weihnachten ist nicht wohnen
    Da in den letzten Tagen immer häufiger Nachfragen nach der Unterbringung von Flüchtlingen in
    privatem Wohnraum über Weihnachten angesprochen wurden:
    Wer Flüchtlingsfamilien über Weihnachten zu sich einlädt - bitte ich zu beachten, dass die Flüchtlinge,
    auch als Übernachtungsgäste, dann als Besuch gelten, was keiner Genehmigung bedarf.
    Die Flüchtlinge dürfen ihrer zugewiesenen Unterkunft aber nicht länger als 10 Tage fern bleiben, da sie sonst von der Heimleitung polizeilich abgemeldet werden. Wer die Einrichtung verlässt sollte das also der
    Heimleitung melden oder sich dort zumindest alle paar Tage sehen lassen. (Bezirksamt Weilimdorf)

  • 14.12.2015 - UZ - Weihnachtsmarkt Untertürkheim - Gesang, Gutsle und viele Basteleien
    UNTERTüRKHEIM:
    Beim Weihnachtsmarkt mit 48 Ständen von Schulen, Vereinen und Einrichtungen packen alle mit an

Stand 12.12.2015
Der Stand des Freundeskreis Flüchtlinge auf dem Weihnachtsmarkt - Foto: Enslin

(gra) - Schulen, Vereine und andere Einrichtungen in Untertürkheim haben sich am Samstag wieder ins Zeug gelegt, um einen schönen Weihnachtsmarkt auf die Beine zu stellen. An 48 Ständen konnten Besucher allerlei selbst Gemachtes kaufen und sich über die Arbeit der Standbetreiber informieren.

„Toll ist, dass die ganzen Gruppen, Schulen und Vereine jedes Jahr auftreten“, sagt Gerd Schumacher vom Bürgerverein Untertürkheim. Seit der ersten Ausgabe des Untertürkheimer Weihnachtsmarktes vor 41 Jahren moderiert er dessen Begleitprogramm auf der Bühne in der Arlbergstraße. Dieses Jahr kündigte er etwa die Musical-AG der Lindenrealschule an, die einen aufwendigen Auftritt mit Gesang und Requisite hinlegte.

Neben den Schulen sind Kindergärten, soziale Einrichtungen und Vereine seit Jahren dabei. Zum ersten Mal präsentierte sich der Freundeskreis Flüchtlinge in Untertürkheim. Zwischen all der weihnachtlichen Dekoration und duftenden Speisen hatte Gerhard Schimpf Informationen im Angebot. An seinem Stand konnten sich Interessierte etwa Pläne und die Baustelle des Flüchtlingsheims in der Württembergstraße in Bildern ansehen. Außerdem konnten Besucher Dokumentenpäckchen zugunsten der Flüchtlinge erwerben. Eine große Auswahl an selbst gemachten Basteleien und allerlei Essbarem hatten die Segelflieger. An deren Stand gab es sowohl Holzsägearbeiten zur Dekoration, als auch kleine Püppchen und Trinkschokoladenwürfel am Stiel aus eigener Produktion.

Klaus Gaßmann aus dem Vereinsbeirat erzählte, dass die Mitglieder seit Oktober an den Waren gemeinsam gearbeitet haben. Grund für den Aufwand sei, dass der Verein präsent sein und um Nachwuchs werben wolle. „Außerdem gehört das ein bisschen zum Jahresablauf dazu.“ Der Segelfliegerverein sei seit 30 Jahren beim Weihnachtsmarkt dabei.

Auch die Jüngsten der Untertürkheimer engagierten sich an mehreren Ständen. Die neunte Klasse des Wirtemberg Gymnasiums hatte mitunter kleine gesägte Holzschäfchen, Marmelade und Kekse im Angebot - alles selbst gemacht, wie die Schüler am Stand stolz beteuern. Mit dem Verkauf wollten die Schüler ihr Skischullandheim mitfinanzieren. Dabei überließen die Jungs nicht allein den Mädchen die Basteleien, sondern halfen selbst mit. „Ich habe Marmelade mit meinen Eltern gekocht“, erzählt etwa der 15-jährige Laurin. Ein wichtiger Anlaufpunkt war die Wärmstube in der Stadtkirche. Um die Mittagszeit gab es kaum freie Stühle. „Die Maultaschen waren der Renner“, so Pfarrer Martin Hug. „Der Weihnachtsmarkt war sehr gut besucht. Mein Dank gilt den Standbetreibern, Organisator Michael Walz und der Firma Elektro Eiting, die für einen reibungslosen Verlauf gesorgt haben“, freute sich Markus Krautter, der Vorsitzende des Industrie-, Handels- und Gewerbevereins.

DOKUMENTE NOVEMBER 2015

  • StZ 27.11.2015 Seite VIII - Flüchtlingsunterkunft - Einwendungen verzögern den Bau
    Untertürkheim - Noch einmal für volle Aufmerksamkeit sorgte Bezirksvorsteherin Dagmar Wenzel am Ende der langen, aktuellen Sitzung des Bezirksbeirates mit dem eher unscheinbaren Tagesordnungspunkt „Bekanntgaben".
    Denn hier berichtete sie zur Frage, wo im Stadtbezirk eventuell alternative Standorte für Flüchtlingsunterkünfte aufgetan werden könnten. Das Ergebnis: Weder die Waldheime der AWO und der katholischen Kirche, noch die Grünfläche beim Paul-Collmer-Haus werden von der Stadt als geeignet erachtet. Damit bleibt als einziger Standort die Wiese in der Württembergstraße, auf der die Stadt Systembauten errichten will. Geplant war, die Unterkünfte möglichst im Februar kommenden Jahres in Betrieb zu nehmen. Dieser Termin ist nicht zu halten: „Wegen Einwendungen von Anwohner konnte noch keine Baugenehmigung erteilt werden", berichtete Wenzel. Sie rechnet mit einer „Verzögerung bis in den Sommer".
    Am Standort „Württembergstr.“ wird mit den Grundleitungsarbeiten außerhalb der Gebäude begonnen, obwohl noch keine Baugenehmigung vorliegt – vorbereitende Maßnahmen. Die Entwässerungsgenehmigung liegt vor.

Bagger
Beginn der Erdarbeiten - Foto: Enslin

DOKUMENTE OKTOBER 2015

DOKUMENTE SEPTEMBER 2015

DOKUMENTE AUGUST 2015

DOKUMENTE JULI 2015

DOKUMENTE JUNI 2015

ARCHIV 2013-2014

OKTOBER 2015

Auch viele junge Leute engagieren sich

9.10.2015 - Bericht in der Stuttgarter Zeitung als pdf-Datei 2 MB -

Vier Waldheime für Asylbewerber

2.10.2015 - Stuttgarter Zeitung: Vier Waldheime für Asylbewerber

Von Mathias Bury 02. Oktober 2015 - 05:14 Uhr

Die evangelische und die katholische Kirche wollen sich noch stärker in der Flüchtlingsbetreuung engagieren. Die evangelische Kirche stellt deshalb vier ihrer Waldheime als Unterkünfte zur Verfügung, vier Heime der katholischen Kirche prüft die Stadt noch. Stuttgart - Weil der Bau von Flüchtlingsunterkünften Zeit braucht, die Zahl der Neuankömmlinge aber derzeit so hoch ist, muss die Stadt auf Interimsunterkünfte zurückgreifen. Für diesen Zweck werden auch die 32 Waldheime ins Auge gefasst. Nun sind die ersten vier ausgewählt, allesamt in der Trägerschaft der evangelischen Kirche.

Es sind die Waldheime Johannes in Botnang, Sonnenwinkel in Vaihingen, Lindental in Weilimdorf und Schlotwiese in Zuffenhausen. 200 Plätze sollen dort entstehen, zeitlich begrenzt bis zu den Ferienfreizeiten im Sommer 2016.

Die evangelische Kirche wollte sich zu den StZ-Informationen noch nicht äußern, die Gespräche mit den betreffenden Gemeinden seien nicht abgeschlossen. Ein Sprecher sagte nur: „Wir wollen dieser Verantwortung gerecht werden und sind deshalb früh auf die Stadt zugegangen.“

Hermes spricht von der „Pflicht christlicher Nächstenliebe“

Auch vier katholische Waldheime mit ebenfalls 200 Plätzen werden von der Stadt als Unterkünfte geprüft. Der katholische Stadtdekan Christian Hermes hat am Mittwoch bei einer Tagung erklärt, die Unterstützung von Flüchtlingen sei „eine Pflicht christlicher Nächstenliebe und eine vorrangige Aufgabe unserer Stadtkirche“. Deshalb werde man sich weiter bemühen, „Wohnraum aus eigenem Bestand einzubringen und die Mitglieder unserer Kirchengemeinden zu ermutigen, Wohnraum zur Verfügung zu stellen.“

SEPTEMBER 2015

  • Freunde gesucht - Stg. Wochenblatt 2.9.2015

AUGUST 2015

Freunde gesucht - Die Flüchtlinge sind ein Glück für Deutschland

DIE ZEIT - 2015/32 - 6.8.2015 - Wir müssen es erkennen und gegen Widersacher verteidigen
VON SABINE RÜCKERT

Vom englischen Dichter Oscar Wilde stammt das Märchen vom selbstsüchtigen Riesen: Der Riese ist Eigentümer eines herrlichen Parks und duldet es nicht, dass jemand anders als er selbst seinen Fuß in das Grün setze und sich an der Pracht der Blumen erfreue. Wütend vertreibt er alle spielenden Kinder und baut eine gigantische Mauer um seinen Park. Doch nicht nur die Kinder bleiben jetzt aus, auch der Frühling, der Sommer und der Herbst meiden den Garten. Die ganze Natur leistet Widerstand gegen einen, der nicht teilen will. Und so bleiben dem Riesen zuletzt als Gefährten: der Winter, der Schnee und der Frost.
Dass Deutschland so ein erstarrter Riese werde, ist offenbar der Wunsch mancher Bürger, die eine geistige Mauer um unser Land bauen und mit Widerwillen auf die steigende Zahl der Schutzsuchenden starren, die in langen Trecks aus den Kriegs- und Elendsgebieten dieser Welt über unsere Grenzen kommen. Ihnen nach dem Munde reden Politiker, die es besser wissen müssten, weil sie von ihrem erhöhten Posten aus sehr wohl erkennen können, was die Zukunft bringt: Dieses prächtige Land wird in absehbarer Zeit eine Winterlandschaft des Alters sein – verödet und vergreist.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung veröffentlichte schon im März eine Studie, der zufolge Deutschland bis 2050 jährlich etwa zwischen 300 000 und 500 000 Menschen aus Nicht-EU-Ländern aufnehmen muss, um ein Zusammenbrechen der Sozialsysteme zu verhindern.

Es mag befremdlich klingen, aber für Deutschland sind die Flüchtlinge, diese vielen jungen, zuversichtlichen, nicht selten begabten und ehrgeizigen Menschen, ein Glück. Welches Ausmaß das Glück erreichen wird, hängt jetzt von uns selbst ab: Wie herzlich heißen wir die Fremden willkommen? Wie schnell lehren wir sie, unsere Sprache zu sprechen und sich selbstbewusst unter uns zu bewegen? Wie gut bilden wir sie aus – in Schulen, Hochschulen und Betrieben? Wie entschlossen überwinden wir die Fremdheit? Und: Wie hoch türmen wir die Hindernisse vor ihnen auf, bevor sie Bürger dieses Landes werden können? Gut ausgebildete und integrierte Menschen bereichern das Land. Und was könnten sie in ihrer Heimat schon lernen? Töten und Sterben.

Eines Oktoberabends 2012 stand eine sechsköpfige Familie aus Usbekistan bei mir zu Hause vor der Tür, die uns »Reporter ohne Grenzen« schickte: der vom Regime verfolgte Journalist Malik aus Taschkent und seine Frau Nigora, eine Ärztin, dazu vier Kinder – die Töchter Zumrad (damals 17) und Hulkar (9) sowie die Söhne Tarhon (7) und Orhon (3). Kaum Gepäck, keine Sprachkenntnisse. Zunächst lebten sie einige Wochen lang bei uns, dann startete das Bundesland Hamburg einen fulminanten Prozess der Menschenrettung: Sprachkurse für alle, Kindergärten, Förderklassen, eine schöne, große Wohnung in einem guten Viertel.

Die Integration so vieler Menschen ist eine Aufgabe für jeden von uns

Heute – drei Jahre später – steht die Mutter kurz vor der ärztlichen Approbation, und der Vater berichtet für einen amerikanischen Sender aus der Ukraine. Die Älteste wird Arzthelferin, die mittleren Kinder besuchen ein Hamburger Gymnasium, und der Kleine kommt im Herbst in die Grundschule. Wenn sie uns besuchen – zum Beispiel in dieser Woche –, sehen wir: eine neue deutsche Familie.

Andere Bürger können den Flüchtlingen anders helfen. Und die Deutschen helfen – auf tausenderlei Weise überall im Land: mit Kleidung, Spielsachen, Schulbüchern. Sie lassen sich nicht lumpen. Aber die Neuankömmlinge können noch etwas brauchen: deutsche Mentoren und Paten, die sie durch die komplizierte neue Welt navigieren und eskortieren, die auf sie achten und ihnen einfach Freunde und Ratgeber sind. Die Integration so vieler fremder Menschen in unsere Gesellschaft ist eine Leistung, die wir alle vollbringen müssen, die jeden von uns angeht. Dann könnte es für uns auch so gut enden wie bei Oscar Wilde.

In seiner Erzählung bekommt die Mauer des selbstsüchtigen Riesen nämlich plötzlich Risse. Durch sie schlüpfen die Kinder zurück in den Garten. Ihnen folgt der lang ersehnte Frühling, und plötzlich grünt und blüht wieder alles. Der vereinsamte Riese aber springt auf, rennt hinaus, begrüßt die ungebetenen Gäste überschwänglich – und begreift endlich, um welches Glück er sich beinahe gebracht hätte.

Freundeskreise für Flüchtlinge - Ehrenamtliche Arbeit verändert sich

Stuttgarter Nachrichten - Carolin Stihler, 03.08.2015

Stuttgart - Sie begleiten Flüchtlinge bei Behördengängen, bringen ihnen erste Sätze auf Deutsch bei, kochen gemeinsam oder spielen zusammen Theater. Für die Ehrenamtlichen in Stuttgart gibt es zahlreiche Möglichkeiten und Ideen, Flüchtlinge willkommen zu heißen und ihnen den Start in dem fremden Land zu erleichtern. Derzeit gibt es in der Landeshauptstadt 27 Flüchtlingsfreundeskreise in denen sich rund 1500 ehrenamtliche Helfer engagieren.

„Je mehr schreckliche Meldungen über brennende Flüchtlingsheime durch die Medien gehen, desto mehr Helfer melden sich bei uns“, sagt Marina Silverii, Sprecherin des Freundeskreises West. Negative Reaktionen auf ihr Engagement für Flüchtlinge habe sie dagegen noch nie mitbekommen.

Nicht einfach nur Gutmenschen

Derzeit leben in der Stadt 3300 Asylbewerber in 73 Unterkünften. Die Zahl soll bis Jahresende auf 5400 Menschen steigen, deshalb errichtet die Stadt an elf weiteren Standorten Systembauten mit 2238 Plätzen. Die Mitglieder der Freundeskreise fungieren dabei häufig als Bindeglied zwischen den Anwohnern im Stadtteil und den Flüchtlingen in den Freundeskreisen. Sie tragen damit auch zum sozialen Frieden im Wohnumfeld der Unterkünfte bei: „Ich habe schon erlebt, dass die Anwohner anfangs skeptisch waren, aber nach einer Weile winken sie uns Ehrenamtlichen zu und erkundigen sich, wenn wir länger nicht mehr da waren“, sagt Silverii.

Die Helfer setzen sich heutzutage aus allen Gesellschaftsschichten der Bevölkerung zusammen, wie aus dem Stuttgarter Flüchtlingsbericht 2015 hervorgeht. Sie bringen dadurch unterschiedliche Erfahrungen und Fähigkeiten aus ihren Berufen mit in den Freundeskreis ein. So können sich beispielsweise Lehrer um Sprachkurse kümmern, während handwerklich Begabte Werkstätten gemeinsam mit den Flüchtlingen auf die Beine stellen. Tatsache ist: Jeder kann mithelfen und wird gebraucht. „Wir sind nicht lauter Gutmenschen“, betont auch Silverii.

Die Freundeskreise und ihr Engagement für Flüchtlinge haben sich im Vergleich zu früher erheblich verändert. So haben die Kreise nicht mehr zwingend eine Anbindung an Kirchengemeinden und freie Träger, sondern arbeiten auch eigenständig in freien Initiativen. Zudem engagieren sich die Bürger oft über einen kürzeren Zeitraum. Viele sind berufstätig oder haben sonstige Verpflichtungen, und können daher nur hin und wieder, oder in einem begrenzten Zeitraum helfen. Dadurch ist auch die Fluktuation in den Flüchtlingskreisen größer als in der Vergangenheit.

JULI 2015

Zustimmung für Flüchtlingsunterkunft

30.7.2015 - Untertürkheimer Zeitung - UNTERTüRKHEIM: Gemeinderat beschließt mit großer Mehrheit Standort in der Württembergstraße

(mk) - Das Ergebnis war keine Überraschung: Mit überwältigender Mehrheit stimmten die Stadträte gestern dem Bau der Flüchtlingsunterkunft in der Württembergstraße zu. In drei Systembauten sollen 243 Plätze für Flüchtlinge entstehen. Sie sind Teil der vierten Tranche, mit der rund 2200 neue Plätze geschaffen werden.

In der letzten Sitzung des Stuttgarter Gemeinderats vor der Sommerpause stand die Diskussion über den Standort der Flüchtlingsunterkunft in Untertürkheim an erster Stelle. Die Stadt hatte elf Standorte im gesamten Stadtgebiet ausgesucht. In zehn Stadtbezirken gab es Zustimmung, der Untertürkheimer Bezirksbeirat lehnte den Vorschlag der Stadt hingegen mehrheitlich ab. Deswegen musste der Gemeinderat den Punkt nochmals beraten und zu einem Entschluss kommen. Dieser fiel nach kurzer Debatte eindeutig aus. Gegen die Stimmen der AfD-Fraktion stimmten die anderen Fraktionen geschlossen dem Bau einer Flüchtlingsunterkunft in der Württembergstraße zu. Bereits am 16. Juli waren die zehn anderen Standorte beschlossen worden.

Lageplan
Lageplan - Württembergstraße - Quelle: Stadt Stuttgart

Auf Wunsch des Bezirksbeirats Untertürkheim wurden zwei Alternativstandorte zu der von der Verwaltung anvisierten Württembergstraße geprüft, welche sich jedoch nach intensiver Prüfung als nicht geeignet herausgestellt hatten. Auch in der Bürgerversammlung am vergangenen Montag sind Oberbürgermeister Fritz Kuhn und Finanzbürgermeister Michael Föll auf die Problematik eingegangen. Bei dem neuen Systembaustandort handelt es sich um eine Fläche im städtischen Eigentum, das allerdings, so die Kritiker, in einem Landschaftsschutzgebiet liegt. Auf der Fläche können drei Systembauten mit insgesamt 243 Unterkunftsplätzen errichtet werden. Auf einem Flurstück besteht ein Pachtvertrag, welcher im Fall des Bedarfs für stadteigene Nutzungszwecke jederzeit fristlos kündbar ist. Die übrigen Flächen sind aktuell nicht verpachtet.

Aus baurechtlicher Sicht kann das Vorhaben für einen Zeitraum von fünf Jahren genehmigt werden, da es sich im Gegensatz zu den Alternativvorschlägen um eine Fläche handelt, für den es einen Bebauungsplan gibt. Die Systembauten sollen im Frühjahr 2016 in Betrieb genommen werden. Mit der vierten Tranche schafft die Stadt 2200 Unterbringungsplätze und investiert 55 Millionen Euro. „Bis Ende 2016 müssen aber weitere 1800 Plätze gefunden werden“, wies Kuhn auf die Anstrengungen hin.

Ärger über „rechtsfreien Raum im Ortskern“

Stuttgarter Nachrichten 28.7.2015 - Untertürkheimer klagen über mangelnde Polizeipräsenz
Von Uli Meyer STUTTGART. Die erste Flüchtlingsunterkunft im Stadtbezirk, aber auch verschiedene verkehrliche und rechtswidrige Missstände im Ortszentrum standen im Mittelpunkt der Bürgerversammlung in Untertürkheim, die am Montagabend im Beisein von OB Fritz Kuhn und der Verwaltungsspitze im vollbesetzten Sängersaal in der Lindenschulstraße abgehalten wurde. Das Interesse an der ersten Versammlung dieser Art nach acht Jahren in Untertürkheim war groß. Gut 400 Bürger säumten den Saal bis auf den letzten Platz.

Bezirksvorsteherin Dagmar Wenzel benannte in ihrer Einführungsrede die Punkte, wo Untertürkheim der Schuh drückt: Probleme des Einzelhandels im Ortskern, Beengung der Wohnquartiere, die starke Belastung durch die S21-Bauarbeiten sowie die geplante Flüchtlingsunterkunft in der Württembergstraße. „Wir müssen eine Haltung gewinnen, um mit den Flüchtlingen in Frieden und Toleranz zusammen zu leben“, forderte Wenzel Bürgerinnen und Bürger ihres Stadtgebiets auf, sich auf die neue Situation einzustellen. Untertürkheim ist einer der letzten der 23 Stuttgarter Stadtbezirke, die noch keinen Standort für die Flüchtlingsunterbringung haben. Dass die Stadtverwaltung dafür die Württembergstraße ausgesucht hat, schlug vor Ort hohe Wellen und war auch an diesem Abend das tragende Thema.

Im Bezirksbeirat war der Standort mit klarer Mehrheit abgelehnt worden. Und auch viele Bürger Untertürkheims können es nicht verstehen, warum die Alternativen an der Augsburger Straße nicht realisiert werden sollen. Finanzbürgermeister Michael Föll legte die Beweggründe der Verwaltung dar, dass diese Standortalternativen aus rechtlichen Gründen (fehlende Genehmigungsfähigkeit) ausscheiden. Dass stattdessen eine befristete Ausnahmegenehmigung für den Standort in einem Landschaftsschutzgebiet angestrebt wird, wollen viele Bewohner nicht verstehen – allen Erklärungsversuchen von Föll und OB Kuhn zum Trotz.

OB Kuhn will „Verkehrsrowdytum“ im Gespräch mit dem Polizeipräsidenten angehen

Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, die Verwaltungsspitze über skandalöse und andauernde Verstöße im Straßenverkehr und bei der Gaststättenverordnung in Kenntnis zu setzen. „Wir haben faktisch einen rechtsfreien Raum im Ortskern“, beklagte Anwohner Peter König die mangelnde Präsenz von Polizei und Ordnungskräften. Ein anderer Untertürkheimer bot sich ernsthaft an, als „freiwilliger Ersatzblitzer“ zu fungieren. Dies hätte „120 000 Euro Einnahmepotenzial im Jahr“, so Gerd Schumacher. Das von Fritz Kuhn als „Verkehrsrowdytum“ bezeichnete Thema will der OB, der in einer zehnminütigen Rede zu Beginn auch einen „Masterplan“ für Untertürkheim vorschlug, ganz persönlich in einem Gespräch mit dem Polizeipräsidenten angehen.

OB: Keine Alternative für Flüchtlingsheim

28.7.2015 - UZ - UNTERTüRKHEIM:
Fritz Kuhn will stellt bei der Bürgersammlung einen Masterplan für die Entwicklung im Ortskern in Aussicht

So voll war die Sängerhalle selten bei einer Bürgerversammlung. Schließlich standen gestern Abend gleich eine Vielzahl an brisanten Themen an: Die Auswirkungen des Milliardenprojekts Stuttgart 21 auf den Stadtbezirk, der geplante Discount-Markt anstelle des Postgebäudes, ein Stadtentwicklungskonzept für den Ortskern oder das Parkchaos am Wochenende in Rotenberg. OB Fritz Kuhn stellte aber eines unmissverständlich klar: Eine Alternative für das Flüchtlingsheim an der Württembergstraße gebe es nicht.

Von Alexander Müller

Gestern begrüßte Bezirksvorsteherin Dagmar Wenzel OB Kuhn wieder in Untertürkheim. Zwar waren bei der letzten Bürgerversammlung vor acht Jahren weder Wenzel noch das Stadtoberhaupt in Amt und Würden. Aber schließlich war es für Kuhn eine Art „Heimspiel“, denn er lebte bis vor 15 Jahren in Luginsland. Seitdem hat sich viel getan, wie Wenzel in ihrer Begrüßungsrede erläuterte. Vor allem für den Ausbau der Kindertagesstätten und der Schulen wurden in den vergangenen Jahren viel getan. Alleine in die Wilhelmsschule, die Linden-Realschule und das Wirtemberg-Gymnasium wurden zwölf Millionen Euro investiert. „Das zeigt, dass der Stadtbezirk sehr wohl im Fokus der Stadt liegt, und zwar dort, wo es am wichtigsten ist: bei den Kindern. Und nicht wie viele meinen, vergessen wird“, betonte Wenzel. Aber natürlich gebe es auch kritische Punkte: Bei der Entwicklung des Einzelhandels und mancher Wohnquartiere im Ortskern. Das liege auch an der Tatsache, dass keine Freiflächen mehr vorhanden seien. Und auch zur geplanten Flüchtlingsunterkunft hatte Wenzel ein klares Statement: „Ich trete dafür ein, dass wir Flüchtlinge in Untertürkheim aufnehmen“.

Bv02015
OB Kuhn Foto:Enslin

Ins gleiche Horn stieß auch OB Kuhn: Zwar könne er nachvollziehen, dass viele Bürger und auch Wengerter nicht begeistert davon seien, Systembauten für 243 Flüchtlinge im Gehrenwald aufzustellen. Aber eine Alternative gebe es nicht. Dies ließe sich nur in dem Bereich des vormals für die Friedhofserweiterung vorgesehenen Geländes im Landschaftsschutzgebiet mit einer befristeten Ausnahmegenehmigung realisieren. Die Kritik, dass dann die Weintouristen auf dem Weg zum Württemberg dieses passieren müssten, stößt dem Grünen-OB auf. „Die Welt ist eben so. Flüchtlinge sind auch Menschen“, so Kuhn und erntete Applaus.

Apropos Rotenberg. An schönen Wochenenden ist die Verkehrsbelastung im Ausflugsort sehr groß. In der Verwaltung würden gerade verschiedene Alternative geklärt, aber eine einfache Lösung gebe es nicht. Dies gelte auch für das Milliardenprojekt Stuttgart 21. Untertürkheim sei ein von den Bahnbaumaßnahmen sehr stark belasteter Stadtbezirk. Demnächst werde die Bahn die im September 2014 zurückgezogenen und überarbeiteten Pläne für den Abstellbahnhof an der Augsburger Straße vorlegen. „Wir werden deutlich machen, dass die Lärmschutzmaßnahmen für die Anwohner enorm verbessert werden müssen“, versprach Kuhn.

Und nicht zuletzt wusste das Stadtoberhaupt aus eigener Erfahrung, dass es um den Einzelhandel zu „seiner Zeit“ in Untertürkheim noch sehr viel besser bestellt war. Dies sei ein stadtweites Problem. Allerdings stellte er, obwohl das Postgebäude am Bahnhof bereits verkauft ist, in Aussicht, dass in die zukünftige Umgestaltung aus städtebaulicher Sicht eingegriffen werden könne. „Das Umfeld und auch eine Postfiliale müssen erhalten bleiben.“ Ob ein neuer Discount-Markt allerdings ein Übel oder vielleicht doch ein Gewinn sein könnte, müsse man detailliert besprechen. Grundsätzlich stehe die Verwaltung den Ideen des Industrie-, Handels- und Gewerbevereins sowie den Bürgerinitiativen aufgeschlossen gegenüber. Daher soll nun ein Masterplan für die Zukunft des Ortskern entwickelt werden. Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der morgigen Ausgabe.

22.7.2015 - Stuttgarter Wochenblatt: Landschaftsschutz stattt Flüchtlinge?

Diskussion über neue Flüchtlingsunterkunft


Stuttgarter Zeitung - Von Caroline Friedmann -  17. Juli 2015 -
An der Württembergstraße in Untertürkheim soll eine neue Flüchtlingsunterkunft enstehen. Nicht alle Untertürkheimer sind davon begeistert.

Untertürkheim - Am Dienstagabend ist die Mensa der Untertürkheimer Wilhelmsschule fast aus allen Nähten geplatzt. So viele Menschen kamen zur Bezirksbeiratssitzung, um über das neue Flüchtlingsheim zu diskutieren, das die Stadt an der Württembergstraße errichten will, um dem zunehmenden Flüchtlingsstrom Rechnung zu tragen. Auf der Fläche nahe des Wohngebiets Gehrenwald, die in städtischem Besitz ist, sollen drei Systembauten entstehen, die Platz für insgesamt 243 Flüchtlinge bieten sollen. Der Standort ist einer von elf, die die Stadt künftig für die Flüchtlingsunterbringung nutzen will. Doch nicht alle Bürger und Bezirksbeiräte in Untertürkheim sind von dieser Idee besonders angetan.

So erklärten einige Beiräte und Bürger am Dienstag, der Standort sei für die Flüchtlingsunterbringung nicht geeignet. Dort gebe es keine ausreichende Infrastruktur, Supermärkte, Ärzte, Schulen und Kindergärten seien von der Württembergstraße aus zu schlecht zu erreichen. Lediglich eine Bushaltestelle stehe in der Nähe zur Verfügung. Einige Anwesende äußerten zudem ihren Ärger darüber, dass die neuen Systembauten in einem Landschaftsschutzgebiet entstehen sollen, wo normalerweise keine neuen Gebäude errichtet werden dürften.

Jede Woche kommen mehr Flüchtlinge nach Stuttgart

Günter Gerstenberger, der im Sozialamt für Flüchtlinge und deren Unterbringung zuständig ist, versuchte die Wogen zu glätten. „Sie müssen sich vorstellen, dass aktuell jede Woche zwei Busse voller Flüchtlinge in Stuttgart ankommen“, so Gerstenberger. „Diese Menschen müssen wir vernünftig unterbringen.“

Dass die Stadt ausgerechnet die drei Flurstücke an der Württembergstraße als Standort gewählt habe, ergänzte Axel Wolf vom Amt für Liegenschaften und Wohnen, habe unterschiedliche Gründe. „Auf den jeweiligen Flächen müssen mindestens zwei Systembauten Platz haben und die Fläche muss genehmigungsfähig sein.“ Auf den Einwand, dass der Standort im Landschaftsschutzgebiet liege, entgegnete Wolf, dass dort dennoch eine befristete Nutzung möglich sei. Die Systembauten seien für eine Dauer von fünf Jahren geplant. Nach Ablauf dieser Zeit müsse dann erneut geprüft werden, ob noch ein Bedarf bestünde.

Keine Alternativstandorte ersichtlich

Wolf ging auch auf die Frage nach Alternativstandorten in Untertürkheim ein. „Uns sind verschiedene Flächen vorgeschlagen worden, zum Beispiel ein Standort an der Augsburger Straße“, so Wolf. Für diese Fläche gegenüber des Baumarktes sei jedoch „kein Planrecht hinterlegt“, somit sei dort nur eine landwirtschaftliche Nutzung möglich. Zudem habe die Stadt einige Bestandsgebäude in Augenschein genommen. Da diese aber anderweitig genutzt würden, seien auch sie keine Alternative.

Bezirksbeiräte verschiedener Fraktionen kritisierten, dass sie von den Plänen „überfahren“ worden seien. Dies erklärte Günter Gerstenberger mit den „quasi über Nacht“ aktualisierten Flüchtlingsprognosen für die Stadt Stuttgart, denen zufolge bis Ende 2015 voraussichtlich rund 5400 Menschen untergebracht werden müssten. „Auch für uns kamen die neuen Flüchtlingszahlen überraschend und wir mussten rasch planen“, so Gerstenberger. Aktuell leben in Stuttgart 3298 Flüchtlinge in 73 Unterkünften in 17 Stadtbezirken. Das neue Heim in Untertürkheim könnte 2016 in Betrieb genommen werden.

Bezirksbeiräte pochen auf anderen Standort

Der SPD-Bezirksbeirat Werner Kapitza und der stellvertretende SPD-Beirat Klaus Hecht kritisierten die teils ablehnende Haltung dem Flüchtlingsheim gegenüber. Schließlich, so Kapitza, sei es „unsere gesetzliche und humanitäre Aufgabe, die Menschen gut unterzubringen“.

Nach heftigen Diskussionen fassten die Untertürkheimer Bezirksbeiräte schließlich mehrheitlich einen Beschluss. In einem Antrag erklärten sie, dass sie den Standort an der Württembergstraße für „ungeeignet“ halten, da die Infrastruktur unzulänglich sei. Zudem sei zu befürchten, dass durch die fehlende Nachbarschaft im Landschaftsschutzgebiet eine Integration der Menschen nur schwer zu erreichen sei. Daher fordern sie die Stadt Stuttgart nun auf, alternative Standorte an der Augsburger Straße sowie im Bereich Hafenbahnstraße/Bruckwiesenweg erneut zu prüfen. Der Beschluss wurde mit sieben Ja-Stimmen und zwei Nein-Stimmen gefasst.

Neuer Anlauf für Flüchtlinge in Untertürkheim
Bezirksbeirat lehnt Standort ab– Gemeinderat stimmt zehn Flächen zu

Stuttgarter Nachrichten - 16. Juli 2015 - Von Konstantin Schwarz

STUTTGART. DerGemeinderatwird in seiner Sitzung an diesem Donnerstag zehn neue Standorte für Flüchtlingswohnheime genehmigen. Damit sollen bis Ende 2016 Unterkünfte für 1995 Menschen geschaffen werden. Jedes Gebäude hat eine Kapazität für 78 Menschen, gebaut werden jeweils zwei oder drei Häuser in zehn Bezirken.

Während der Bezirksbeirat Degerloch mit sieben Jastimmen und drei Enthaltungen zwei Heimen an der Helene Pfleiderer Straße zustimmte, wo bisher der Bau von 17 Reihenhäusern vorgesehen war, lehnte der Bezirksbeirat Untertürkheim den Standort an der Württembergstraße mit sieben gegen zwei Stimmen ab.

Der Beirat muss sich damit erneut mit dem Thema befassen, bevor der Rat entscheidet. „Es gibt in Untertürkheim zwei Vorschläge für Alternativen, beide scheiden aus“, sagte Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) am Mittwoch. So sei eine Fläche an der Hafenbahnstraße bei den Otto Konz Brücken an die Bahn Projektbaugesellschaft fürStuttgart 21 vergeben. „Wirhaben darauf keinen Zugriff, unabhängig von der Frage, ob das Gelände überhaupt für ein Wohnheim geeignet ist“, so Föll.

Nicht bebautwerden dürften Flächen einer früheren Gärtnerei gegenüber einem Baumarkt. Sie liegen im Außenbereich und dürfen nur landwirtschaftlich genutzt werden. Auch die von der Verwaltung vorgeschlagene Baufläche an der Württembergstraße liegt außerhalb der geschlossenen Bebauung, sie sei aber für eine Friedhofserweiterung verplant gewesen, eine „temporäre Bebauung“ sei dort erlaubt.

Heißt: im Fall der Flüchtlingswohnheime fünf bis zehn Jahre. Bis auf die AfD billigen alle Fraktionen die Neubauten. Die Kosten liegen bei 54,5 Millionen Euro, der Betrieb bei rund zwei Millionen Euro pro Jahr. Der Betreuungsschlüssel mit einem Sozialarbeiter auf 136 Flüchtlinge bleibt bestehen. Die Fraktionen von SÖS/Linke plus und SPD forderten einen Betreuer auf 100 oder 120 Flüchtlinge, scheiterten aber am Mittwoch im Ausschuss.

Bezirksbeirat lehnt Standort für Flüchtlinge ab

UZ 16.7.2015 - UNTERTüRKHEIM: Kontroverse Debatte über Systembauten im Landschaftsschutzgebiet - Gemeinderat vertagt die Entscheidung

Der Bezirksbeirat debattierte am Dienstagabend über den geplanten Standort des Flüchtlingsheims in der Württembergstraße. Bezirksbeiräte und Bürger kritisierten, dass die Systembauten im Landschaftsschutzgebiet aufgestellt werden sollen. Sie befürchten eine Gettoisierung und schlechte Integration. Dem wollen Ehrenamtliche des Freundeskreises Flüchtlinge entgegenwirken. Die Mehrheit des Bezirksbeirats lehnte den Standort ab und fordert, Alternativen zu prüfen.

Von Mathias Kuhn

In Erwartung eines großen Bürgerinteresses hatte Bezirksvorsteherin Dagmar Wenzel die Sitzung bereits in die Aula der Wilhelmschule verlegt. Dennoch reichte der Saal nicht. Die Unterbringung der Flüchtlinge bewegt die Untertürkheimer. Etliche Bürger konnten die Debatte nur bei geöffneten Türen verfolgen. Günter Gerstenberger vom Sozialamt der Stadt erläuterte die allgemeine Flüchtlings-Situation. Er versuchte verständlich zu machen, dass die Stadtverwaltung selbst „überfahren“ wurde.

Die Zahl der Flüchtlinge steigt stetig. Im Juni musste die Landeshauptstadt 391 Flüchtlinge aufnehmen. Hochrechnungen ergeben heute, dass Stuttgart zusätzlich zu den bestehenden Unterkünften bis Ende 2016 nochmals Plätze für 4000 Menschen zur Verfügung stellen muss. Gemäß des Stuttgarter Wegs sollen die Flüchtlinge möglichst dezentral auf alle Stadtbezirke verteilt werden. Im Eiltempo machten sich die städtischen Ämter auf Standortsuche - auch in den Stadtbezirken, in denen noch keine Flüchtlinge leben. „Mit den Systembauten in der Württembergstraße wäre Untertürkheim der 19. Stadtbezirk mit einer Unterkunft“, so Gerstenberger.

Systembau

INFORMATION
Gemäß dem Verteilungsschlüssel muss Baden-Württemberg dieses Jahr rund 52 000 Erstantragssteller auf Asyl sowie 7000 Ffolgeantragsteller aufnehmen. 6,24 Prozent davon werden nach Stuttgart geschickt. das wären 3245 Erst- und 437 Folgeantragsteller, die in Stuttgart eine Unterkunft benötigen. An erster Stelle der Herkunftsländer stehen Bosnien- Herzogowina, Mazedonien und Serbien, vor Kosovo, Syrien, Irak und Afghanistan und Nigeria.



Foto: Stadt Stuttgart

Alexander Wolf vom Liegenschaftsamt gab zu, dass das Grundstück zwischen Blumen Ellinger und dem TBU-Platz „zwar von der Lage nicht optimal, aber das einzig mögliche im Stadtbezirk sei.“ Heftig kritisiert wurde, sowohl von Bezirksbeiräten als auch von Bürgern, dass die Fläche sich im Landschaftsschutzgebiet befände. „Auf ihr war eine Erweiterung des Friedhofs vorgesehen. Deswegen gibt es dort im Vergleich zu anderen Flächen einen Bebauungsplan, der es uns planungsrechtlich erlaubt, zeitlich befristet Unterkünfte für Flüchtlinge zu errichten“, so Wolf. Drei zweistöckige Systembauten mit 243 Plätzen sind vorgesehen. Das Sozialamt rechnet damit, dass sie mit 220 Menschen belegt werden.

Für viele Bürger - vor allem für Weinbauern - wird mit zweierlei Maß gemessen. Ihnen wurden in den vergangenen Jahren selbst kleine Anbauten an bestehende Gebäude mit dem Argument des Landschaftschutzes untersagt. Systembauten würden dagegen schnell genehmigt. Nicht nur diese „Ungleichbehandlung“ kritisierten manche Bezirksbeiräte und Klaus Fischer als Sprecher der Standortgegner. Sie halten die Unterbringung auf der „grünen Wiese“ (Fischer) für „unpassend“ (CDU-Bezirksbeirat Andrea Mathiasch) und „untauglich“ (Gerald Multerer, Freie Wähler). Die Flüchtlinge seien weit von der Nahversorgung, den Schulen und Ärzten entfernt. „Wir fürchten Gettoisierung statt guter Integration“, so Mathiasch.

SPD-Bezirksbeirat Werner Kapitza und Alfred Küstler (SÖS) sprachen sich für die von der Stadt vorgeschlagene Lösung aus. „Es geht um die zügige Unterbringung von Menschen. Auch wir müssen uns beteiligen. Untertürkheim hat keinen besseren Standort als den in der Württembergstraße.“

Von Bürgern war eine Fläche in der Augsburger Straße - gegenüber dem Bauhaus - und an der Hafenbahnstraße vorgeschlagen. Beide hat die Stadt geprüft. Gegen sie spricht, dass sie in Privatbesitz sind und die Fläche Augsburger Straße zudem ohne Bebauungsplan ist.

Mit sieben zu zwei Stimmen lehnten die Bezirksbeiräte den Standort ab und baten Alternativen zu prüfen. Untertürkheim ist damit der einzige von elf Stadtbezirken, der nicht zustimmt. Der Gemeinderat wird heute die zehn anderen Standorte beschließen. Die Entscheidung über die Württembergstraße wird zwei Wochen vertagt.

Föll beklagt „Ablasshandel“

Stuttgarter Zeitung - 15.7.2015 -

Flüchtlinge Manche Argumente und Forderungen bringen den Bürgermeister auf die Palme.

Gegen die Stimme von AfD-Stadtrat Eberhard Brett hat der Technische Ausschuss am Dienstag die Liste der Standorte für die Unterbringung weiterer Flüchtlinge gebilligt. An insgesamt elf Standorten über die Stadt verteilt sollen Quartiere in Systembauweise mit weiteren 2238 Plätzen errichtet werden. Bei einigen umstrittenen Standorten hatte die Stadtverwaltung nochmals Alternativen geprüft – und verworfen.

Was mancherorts an Argumenten vorgebracht wird, um Flüchtlingsquartiere an dieser oder jener Stelle abzuwenden oder Profit daraus zu schlagen, ist auch für Bürgermeister Michael Föll (CDU) nur schwer erträglich. So hätte sich die Spielvereinigung Feuerbach ihre beiden Volleyballspielfelder als Alternativstandorte für die an der Wiener Straße geplanten Flüchtlingsquartiere nur abhandeln lassen, wenn die Stadt ihr im Gegenzug eine neue Sporthalle finanzieren würde, berichtete Föll: „Das erinnert mich an den Ablasshandel, der vor 500 Jahren zur Reformation geführt hat.“ Er erinnerte daran, dass die Stadt den Sportverein erst vor einigen Jahren vor der Pleite bewahrt habe.

In Untertürkheim wiederum hätten Bürger die Auffassung vertreten, man könne es Besuchern nicht zumuten, auf dem Weg zur Grabkapelle auf dem Rotenberg das geplante Flüchtlingswohnheim an der Württembergstraße zu passieren. „Wir müssen uns für die Flüchtlinge in unserer Stadt nicht schämen“, bezog der Erste Bürgermeister klar Stellung.

Umstritten war auch ein eigentlich für Wohnungsbau vorgesehener Standort an der Helene-Pfleiderer-Straße in Degerloch – jenem Stadtbezirk, in dem bisher noch keine Flüchtlingsunterkunft steht. Eine Grundstückseigentümerin, die erst kürzlich einem Grundstückstausch mit der Stadt zugestimmt hatte, damit die Kommune dort 20 bis 30 Wohnungen bauen kann, fühlte sich nun „in die Irre geführt“. Diesen Vorwurf wies Föll ausdrücklich zurück. Zum Zeitpunkt des Umlegungsbeschlusses sei das Grundstück noch nicht als Standort für ein Flüchtlingswohnheim im Gespräch gewesen, erklärte der Bürgermeister. bra

Flüchtlingsheim: Alternativstandorte ungeeignet

Untertürkheimer Zeitung - 11.7.2015 - UNTERTüRKHEIM:

Wirtschaftsausschuss stimmt Flüchtlingsheim in Württembergstraße zu

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Auf dem Gelände in der Württembergstraße sollen ab Frühjahr drei Systembauten
mit 243 Unterkunftsplätzen aufgestellt werden. Die Meinungsäußerungen zeugen
von Zustimmung und Ablehnung der Bürger. Foto: Schimpf

Die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses waren sich gestern der Dimension ihrer Entscheidung bewusst: Mit ihrem mehrheitlichen „Ja“ zu elf neuen, über die Stadt verteilten Standorten für Unterkünfte, schaffen sie 2238 Plätze für Flüchtlinge. In der Württembergstraße sind drei Systembauten mit 243 Plätzen vorgesehen. Von Bürgern vorgeschlagene Alternativstandorte hat die Stadt geprüft und verworfen. Sie sind ungeeignet.

Von Mathias Kuhn

Stuttgarts erster Bürgermeister sprach zu Beginn der Ausschusssitzung Klartext: „Bis Ende 2016 muss die Stadt 4000 neue Plätze für Flüchtlinge schaffen. Eine riesige Herausforderung, zumal der Zeitdruck enorm ist“, erklärt Michael Föll. Damit die Flüchtlinge nicht in Turnhallen oder Bürgerhäusern untergebracht werden müssen, haben sich das Liegenschafts- und Sozialamt zum vierten Mal auf die Suche nach geeigneten Flächen begeben, auf denen Systembauten aufgestellt werden können. Sie sind fündig geworden. Elf neue Standorte konnten die Experten vorstellen - über das Stadtgebiet verteilt. Nur in Obertürkheim und Münster konnten bislang keine geeigneten Grundstücke ausgewiesen werden. Zu den knapp 2300 Plätzen aus den Tranchen 1 bis 3 kommen nun in der vierten Tranche weitere 2238 Plätze hinzu.

Auch in Untertürkheim ist eine Unterkunft vorgesehen. In der Württembergstraße zwischen Blumen Ellinger und TBU sollen drei Systembauten aufgestellt werden. Die Fläche war für die geplante, aber nicht mehr benotwendige Friedhofserweiterung reserviert. „Ein Teil liegt im Landschaftsschutzgebiet,“, bestätigte Föll. Gegner hatten dieses Argument in Protestbriefen angeführt. „Eine Ausnahmegenehmigung ist allerdings möglich, da das Grundstück planungsrechtlich als Erweiterungsfläche und nicht als landwirtschaftlich genutztes Gebiet oder als Natur ausgewiesen ist“, so Föll.

Auch zu den Vorwürfen einiger Briefeschreiber, dass die Bauten in Sichtweite der Grabkapelle nicht angemessen wären und Touristen abschrecken werden, bezog Föll mit klaren Worten Stellung: „Es ist nicht die Haltung und Politik der Landeshauptstadt, die Flüchtlinge in Hinterhöfen zu verstecken“, ärgerte sich der Erste Bürgermeister und erntete den Applaus der großen Mehrheit der Stadträte. Mit den Systembauten werde die Stadt zwar keinen Architektenwettbewerb gewinnen. Sie hinterlassen aber einen ordentlichen Eindruck. „Manche Hütten in der Landschaft sehen scheußlicher aus“, so Föll.

Dennoch hat die Stadtverwaltung die von Bürgern vorgeschlagenen Alternativstandorte geprüft. Immer wieder werden zwei Grundstücke an der Augsburger Straße gegenüber dem Kaufland ins Feld geführt. „Beide sind in Privateigentum. Die Besitzer wollen sie hochwertiger Nutzung zuführen. Ein Teilstück ist zudem als Landwirtschaftsfläche ausgewiesen“, erklärte Axel Wolf vom Liegenschaftsamt der Stadt. Bürger hatten zudem das Arbeiterbildungszentrum, das Eszet- und Vielhauer-Gebäude vorgeschlagen. „Sie sind bereits gut genutzt und deswegen ungeeignet“, so Wolf. Nach Diskussionen um weitere Standorte stimmten die Stadträte mit 16 Stimmen - bei einer Ablehnung - der Vorlage zu. In den meisten Bezirksbeiräten wurden die Pläne bereits vorgestellt und akzeptiert. Untertürkheim diskutiert am Dienstag über den Standort.

Die Stadträte sind sich allerdings bewusst, dass der vierten weitere Tranchen folgen werden. „Es wird immer schwieriger werden. Es ist aber nicht nur unsere gesetzliche, sondern auch unsere humanitäre Aufgabe, die Flüchtlinge gut unterzubringen“, erklärte Föll - im Konsens mit der überwiegenden Gemeinderatsmehrheit.

Flüchtlinge in Stuttgart - Föll: Wir können auf keinen Platz verzichten

Stuttgarter Zeitung - Viola Volland - 10. Juli 2015

Die Stadt Stuttgart brauche jeden Platz und jeden Standort, um weitere Flüchtlinge unterzubringen, hat der Bürgermeister Michael Föll im Wirtschaftsausschuss des Gemeinderates gesagt. Mit der vierten Tranche wird Platz für 2238 weitere Flüchtlingen geschaffen.

Der Zeitplan ist straff, den die Stadt vorlegt: Knapp vier Wochen nach der Einbringung der Tranche 4 soll am Donnerstag, 16. Juli, der Beschluss über die Systembauten an elf Standorten in elf Bezirken gefasst werden, um 2238 Unterkunftsplätze für Flüchtlinge zu schaffen. „Wir können auf keinen einzigen Platz verzichten“, sagte Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) am Freitag im Wirtschaftsausschuss, in dem erstmals der Degerlocher Standort für 156 Plätze in der Helene-Pfleiderer-Straße vorgestellt wurde.

Eigentlich ist auf dem Gebiet eine Wohnbebauung für 15 bis 20 Wohneinheiten vorgesehen. „Dieses kleine Wohnbauvorhaben müssen wir zurückstellen“, so Föll. Planungsrechtlich wäre in Degerloch dauerhaft der Standort einer Flüchtlingsunterkunft möglich, doch das hat die Stadt nicht vor. Langfristig sollen auf dem Areal Reihenhäuser gebaut werden können.

Ausschuss geht alle Alternativvorschläge durch

Bis auf die Bezirksbeiräte Degerloch und Untertürkheim haben alle örtlichen Gremien zur Tranche 4 getagt. „Alle haben zugestimmt“, so der Finanzbürgermeister, der auch das Feuerbacher Votum so interpretiert. Der Bezirksbeirat hatte zwar die drei Systembauten abgelehnt, befürwortet aber zwei Systembauten, die leicht versetzt angeordnet und anders erschlossen werden sollen. Föll machte klar, dass eine Reduzierung der Anzahl der Systembauten nicht in Frage kommt, aber die andere Anordung und Erschließung will man bis Dienstag prüfen. „Wir sind auf jeden Standort angewiesen und wir sind auch auf die Größe angewiesen“, so der Kämmerer.

Im Ausschuss wurden alle alternativen Standorte durchgegangen, die von Bezirksbeiräten, von AfD-Stadtrat Bernd Klingler und von den Freien Wählern vorgebracht worden waren. Fast alle Flächen eignen sich allerdings aus Verwaltungssicht nicht für den Bau von Systembauten. Mal sind sie nicht verfügbar, mal zu klein, mal baurechtlich nicht nutzbar, mal stehen Wohnungsbauvorhaben dem entgegen. In einem Fall immerhin sieht das anders aus: Auf einem Bolzplatz an der Wiener Straße/Ecke Triebweg könnte man zwei Systembauten errichten. Das sei jedoch ein Systembau zu wenig, schließlich würden drei benötigt, sagte Axel Wolf vom Amt für Liegenschaften und Wohnen. Der ehemalige Standort der BIL-Schule in Bad Cannstatt, der auch ins Spiel gebracht worden war, werde in die Tranche 5 eingehen.

Klar bezog Föll im Ausschuss Stellung zu Briefen von Anwohnern, die bemängelten, die geplanten Systembauten in Untertürkheim lägen auf dem Weg zur Grabkapelle, was nicht angemessen sei: „Es ist nicht Politik dieser Stadt, die Flüchtlinge in die dunkle Ecke zu verbannen.“

Föll kündigte an, dass sich die Stadt mit beiden Kirchen in Verbindung setzen werde, ob kirchliche Gebäude als Unterkünfte verfügbar sind. Auch sei man in Feuerbach bezüglich des Fahrion-Geländes in Verhandlungen über den Erwerb des kompletten Areals.

Di 14.7.2015 - 18:30 Uhr - Sitzung des Bezirksbeirats Untertürkheim

Tagesordnung für die öffentliche Sitzung des Bezirksbeirats Untertürkheim

am Dienstag, 14. Juli, 18:30 Uhr in der Mensa der Wilhelmsschule, Oberstdorfer Str. 23, Untertürkheim

  • 1. Anfragen und Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern aus dem Stadtbezirk
  • 2. Flüchtlingsunterbringung in Untertürkheim am Standort Württembergstraße
    Referenten: Frau Schuch (SWSG), Herr Gerstenberger (Sozialamt)
  • 3. Vorstellung des Wirtemberg-Gymnasiums durch Herrn Oberstudiendirektor Bizer
    Bezug: Antrag der SPD-Bezirksbeiratsfraktion vom 08.06.2015 für eine Gemeinschaftsschule an der Steinenbergschule in Hedelfingen.
  • 4. Vorstellung der Stadtteilmanagerin Frau Mareike Merx
  • 5. Bekanntgaben
  • 6. Anträge, Anfragen und Anregungen

Freundeskreis will Flüchtlingen helfen

UZ 1.7.2015 - UNTERTüRKHEIM: Geplante Unterkunft im Gehrenwald stellt Ehrenamtliche vor neue Herausforderungen

(mk) - Als vor drei Jahren 18 Flüchtlinge, deren Unterkunft durch einen Brand zerstört worden war, in der Strümpfelbacher Straße einquartiert wurden, gründeten einige Bürger den Freundeskreis Flüchtlinge. Der sieht sich angesichts des geplanten Flüchtlingsheims im Gehrenwald vor neuen Herausforderungen. „Wir sind bereit, am Aufbau einer leistungsstarken Hilfestruktur mitzuwirken“, sagt Gerhard Schimpf.

In einer Nacht- und Nebelaktion musste die Stadtverwaltung vor drei Jahren interimsweise 18 Flüchtlinge im städtischen Gebäude in der Strümpfelbacher Straße unterbringen. Ihre Unterkunft in Heumaden war nach einem Brand unbewohnbar geworden. Durch die schlechten Verhältnisse in der provisorischen Unterkunft aufgeschreckt, taten sich einige Untertürkheimer zusammen. Sie machten es sich zur Aufgabe, den Flüchtlingen zu helfen. „Bis zur Schließung der Interimsunterkunft Anfang 2014 war dieser Freundeskreis aktiv, leistete Hilfe, wo dies möglich war, und unterstützte die nur stundenweise vor Ort befindlichen Sozialarbeitern bei der Betreuung“, erklärt Schimpf als Sprecher des Freundeskreises. Die Aktiven, zu denen auch die ehemalige Stadträtin Ulrike Küstler, der langjährige Bezirksbeirat Klaus Hecht und der Bürgervereinsvorsitzende Klaus Enslin gehören, haben sich den Standort der geplanten Flüchtlingsunterkunft im Gehrenwald angeschaut. Drei Systembauten sollen dort vermutlich aufgestellt werden, in denen ab dem kommenden Frühjahr 243 Flüchtlinge untergebracht werden können. Deshalb habe der Freundeskreises beschlossen, im Vorfeld der vom Gemeinderat am 16. Juli zu treffenden Entscheidung ihren Ruhe- und Wartezustand zu beenden. In der Sitzung des Bezirksbeirats würden die Mitglieder formell ihre Bereitschaft bekunden, am Aufbau einer sehr viel leistungsstärkeren Hilfe- und Willkommensstruktur, die nun erforderlich ist, mitzuwirken.

„Uns ist bekannt, dass der vorgeschlagene Standort in der Württembergstraße nahe bei den Sportanlagen des TBU und dem Landschaftsschutzgebiet von zahlreichen Mitbewohnern kritisch gesehen wird. Auch wir halten ihn, vor allem wegen der weiten Wege zu den Einkaufsstätten und Schulen, nicht für optimal.“ Wenn allerdings die Stadtverwaltung angesichts der Dringlichkeit keine alternativen Standorte kurzfristig verfügbar machen könne, werde es eine der vom Freundeskreis zu erbringende Hilfeleistung sein, diese Standortnachteile für die Flüchtlinge zu minimieren. „Die Nähe zu den Sportanlagen kann es bei tatkräftiger Mitarbeit von ehrenamtlichen Betreuern erleichtern, diesen Teil der in anderen Stadtbezirken erprobten Betreuung von Kindern oder von Fußballfreunden zu realisieren“, sagt Schimpf.

Bürger, die ehrenamtlich mithelfen wollen, können sich an Gerhard Schimpf, Telefonnummer 33 55 98, wenden oder sich auf der Internetseite www.freundeskreis-fluechtlinge-uth.de über die Arbeit informieren und Kontakt aufnehmen.

JUNI 2015

Der Freundeskreis Flüchtlinge Untertürkheim wird wieder aktiv

Untertürkheim - 27.06.2015 - PRESSETEXT -

Als vor 3 Jahren 18 Flüchtlinge, deren Behausung durch den Brand des Flüchtlingsheims in Heumaden zerstört war, in der Strümpfelbacher Straße vorübergehend einquartiert wurden, haben  sich - wie in zahlreichen anderen Stadtbezirken - auch bei uns in Untertürkheim einige hilfsbereite Bürger zusammengefunden und einen  Freundeskreis Flüchtlinge Untertürkheim gegründet, der bis zu der Schließung dieser Unterkunft Anfang 2014 aktiv war, Hilfe leistete wo dies möglich war und den nur stundenweise vor Ort befindlichen Sozialarbeiter bei der Betreuung unterstützte.

Seit der Einbringung einer Beschlussvorlage des Oberbürgermeisters im Wirtschaftsausschuss des Gemeinderats ist nun bekannt, dass bei einer dort vorgeschlagenen 4.Tranche  von zu erstellenden Flüchtlingsunterkünften damit zu rechnen ist, dass diesmal auch in Untertürkheim in drei in den nächsten Monaten zu erstellenden Systembauten ab Frühjahr kommenden Jahres 243 Flüchtlinge als neue Einwohner unseres Stadtbezirks zu erwarten sein werden.

Deshalb haben dieser Tage einige Mitglieder  des Freundeskreises beschlossen, bereits im Vorfeld der vom Gemeinderat am 16.Juli zu treffenden Entscheidung ihren Ruhe- und Wartezustand zu beenden und in der Sitzung des Bezirksbeirats am 14.Juni formell ihre Bereitschaft zu bekunden, am Aufbau einer diesmal erforderlichen sehr viel leistungsstärkeren Hilfe- und Willkommensstruktur mitzuwirken.

Uns ist bekannt, dass der vorgeschlagene Standort in der Württembergstraße nahe bei den Sportanlagen des TBU und dem Landschaftsschutzgebiet von zahlreichen Mitbewohnern kritisch gesehen wird. Auch wir halten ihn, vor allem wegen der weiten  Wege zu den Einkaufsstätten und Schulen,  nicht für optimal. Wenn allerdings die Stadtverwaltung angesichts der Dringlichkeit für weitere rasch zu realisierende Flüchtlingsunterkünfte in unserem Stadtbezirk keine alternativen Standorte kurzfristig verfügbar machen kann, wird es eine der von uns zu erbringenden Hilfeleistungen sein müssen, diese Standortnachteile für die Flüchtlinge zu minimieren. Und die Nähe zu den Sportanlagen kann es bei tatkräftiger Mitarbeit von zu gewinnenden ehrenamtlichen Betreuern erleichtern, diesen Teil der in anderen Stadtbezirken erprobten Betreuung etwa von Kindern oder von Fußballfreunden bei den jüngeren Erwachsenen zu realisieren.  

Gezeichnet:
Klaus Enslin
Klaus Hecht
Ulrike Küstler
Gerhard Schimpf

Interessenten können sich melden bei 
Gerhard Schimpf Tel. 335598
info@freundeskreis-fluechtlinge-uth.de
und sich über die Internetseite
www.freundeskreis-fluechtlinge-uth.de
informieren.

Anwohner klagen gegen neues Flüchtlingsheim

Untertürkheimer Zeitung 27.6.2015 - UNTERTüRKHEIM: Bürgerinitiative sieht rechtliche Bedenken beim Landschaftsschutz - „Touristische Attraktion würde zerstört“

Gegen die geplante Flüchtlingsunterkunft an der Württembergstraße formiert sich massiver Widerstand. Anwohner haben eine Bürgerinitiative gegründet und planen rechtliche Schritte, wenn nötig sogar eine Klage. Kritik entzündet sich nicht nur an der aus ihrer Sicht bewusst kurz gehaltenen Planungsphase der Stadt, um aufkommende Gegenstimmen im Keim zu ersticken, als vielmehr an einer fragwürdigen Bebauung des Landschaftsschutzgebietes. „Die Weinberge in Richtung Rotenberg mit Blick auf die Grabkapelle sind eine der touristischen Hauptattraktionen in Stuttgart. Diese würde zerstört“, so der Tenor.

Von Alexander Müller

Ort
Anwohner hegen Zweifel an der Rechtmäßigkeit der geplanten Flüchtlingsunterkunft an der Württembergstraße.
Foto: Enslin

„Es ist unglaublich. Wir müssen jahrelang kämpfen, um eine Kleinigkeit am Haus verändern zu dürfen, während die Stadt nun einfach drei mehrstöckige Gebäude mitten in das Landschaftsschutzgebiet stellt“, ärgert sich Sabine Fuchslocher. Kritik regt sich vor allem an der „stillen und heimlichen Art und Weise“. Die Stadt spreche immer von Bürgernähe und Bürgerbeteiligung und nun werde man vor vollendete Tatsachen gestellt. „Wir fühlen uns verschaukelt“, ergänzt Sandra Hertneck, die unmittelbar gegenüber wohnt. Deshalb hat sich nun eine Bürgerinitiative der circa 40 Anwohner auf den Aussiedlerhöfen an der Württembergstraße sowie weiteren Bürgern aus Rotenberg und dem Wohngebiet im Gehrenwald gegründet.

Aufgrund der steigenden Zahl der Flüchtlinge, die die Stadt Stuttgart zugewiesen bekommt, soll in der mittlerweile vierten Tranche unterhalb der TBU-Sportanlagen an der Württembergstraße eine von zehn neuen Flüchtlingsunterkünften in Stuttgart entstehen. Bis spätestens Ende 2016 sollen in den drei Systembauten 243 Flüchtlinge untergebracht werden.

Vor allem an der Rechtmäßigkeit der Aussagen der Stadt, dass der Bereich nicht mehr im Landschaftsschutzgebiet liege, da die Fläche vor Jahren für die geplante Friedhofserweiterung vorgesehen war, hegen die Anwohner Zweifel. Erst vor wenigen Monaten habe Rosemarie Hoffmann den städtischen Ämtern eine Fläche für einen Parkplatz angeboten, um das Verkehrschaos am Wochenende in Rotenberg zu entzerren. „Da wurde mir gesagt, das sei nicht möglich, weil sich dieses im Landschaftsschutzgebiet befinde.“ Aber aus Sicht der Anwohner würden solche Regelungen anscheinend für die Stadt nicht gelten. Daher „werden wir nun einen Anwalt einschalten und dies überprüfen lassen. Wenn nötig werden wir die rechtlichen Schritte einleiten“, sagt Klaus Fischer.

Schließlich befände sich auf dem Areal auch eine Reihe von Trockenmauern, „in denen geschützte Tierarten wie Eidechsen leben“, betont Eckhard Sieb. In seinem direkt angrenzenden Gartengrundstück müsse er daher wie viele seiner Nachbarn auf zahlreiche Auflagen des Umweltamtes achten. „Aber wer übernimmt die Kontrolle der Stadt?“

Viel schwerer wiegt für die Anwohner wie auch für die Wengerter Klaus-Dieter und Michael Warth sowie den Vorstandsvorsitzenden der Weinmanufaktur Untertürkheim, Bernd Munk, die Zerstörung der kulturästhetischen Weinberglandschaft mit Blick auf die Grabkapelle auf dem Württemberg. Es müsse doch einen Bestandsschutz für die Umgebung des Ursprungs des Bundeslandes geben. „Es ist einer der wenigen Anziehungspunkte für Touristen. Die Grabkapelle und eben die Umgebung mit den Weinbergen ist das siebtbeliebteste Ausflugsziel in Stuttgart“, sagt Michael Warth. „Und das letzte Idyll in Untertürkheim.“

Zwar wisse man um die Zwänge der Stadt hinsichtlich der Unterbringung der großen Anzahl von Flüchtlingen, aber in Untertürkheim gebe es sicher bessere Plätze, wie etwa an der Augsburger Straße in Richtung Obertürkheim oder an der Dietbachstraße. „Zumal die Anbindung an die Nahversorgung und das gesellschaftliche Leben sehr viel besser wäre als mitten im Grünen“, ist der Organisator der Bürgerinitiative, Wulf Bayha, überzeugt. „Im Sinne der geforderten Integration.“

Kritik der AfD an Standorten für Flüchtlingsheime

Untertürkheimer Zeitung 20.6.2015 - UNTERTüRKHEIM: Gemeinderat wünscht sich mehr Unterkünfte im Bestand als Neubauten auf der grüne Wiese

In Untertürkheim soll an der Württembergstraße eine Flüchtlingsunterkunft mit 243 Plätzen entstehen. Die bestehenden Pachtverträge für die Flächen werden gekündigt.

Die Stadt steht vor einem „logistischen und finanziellen Kraftakt, um der humanitären Aufgabe der Unterbringung der Flüchtlinge nachzukommen“, betonte Wirtschaftsbürgermeister Michael Föll gestern in der Sitzung des Wirtschaftsausschusses. Bis Ende 2016 müssen zusätzlich 4000 Plätze in Stuttgart geschaffen werden. Für 55 Millionen Euro sind daher elf weitere Standorte für Flüchtlingsunterkünfte vorgesehen. Kritik äußerten die Stadträte vor allem an der Errichtung neuer Systembauten, anstatt nach Lösungen im Bestand zu suchen. - Von Alexander Müller -

„Es ist der falsche Weg, seit Jahren laufende Pachtverträge für Gartengrundstücke zu kündigen, um die nötigen Flächen zu erhalten. Das trifft zumeist ärmere Menschen und Migranten, was zu Spannungen führt“, erklärte Guntrun Müller-Enßlin (SÖS-Linke-Plus). Nicht zuletzt sei die Anbindung an das öffentliche Leben alles andere als optimal. „Es gibt in Stuttgart im Bestand andere Möglichkeiten als neue Systembauten zu erstellen“, ergänzte Bernd Klingler (AfD). Hier werde mit Geld um sich geschmissen, wo vor allem das Wirtschaftsreferat besonders gerne „als Erbsenzähler“ auftrete. Dennoch stimmten fast alle Stadträte dem Einbringungsbeschluss angesichts der „großen Herkulesaufgabe“ zu, die die Unterbringung der Flüchtlinge mit sich bringt. „Wir haben geahnt, dass diese nun vierte Tranche kommen wird, aber das Ausmaß konnte man noch nicht absehen“, erklärte Thomas Fuhrmann (CDU).

Denn bis Ende 2016 muss die Stadt nun weitere 4000 Flüchtlinge unterbringen. Damit hat sich die Zuteilung gemäß dem Schlüssel der Landesregierung in Bezug auf die Einwohnerzahl von prognostiziert 153 Flüchtlingen pro Monat im Dezember 2014 über 207 (Februar 2015) auf nunmehr 307 verdoppelt.

Bis Ende 2016 muss die Stadtverwaltung somit knapp 8000 Plätze zur Verfügung stellen. „Das sind mehr als zu den Hochzeiten in den 1990er-Jahren“, betonte Stefan Spatz, der Leiter des Sozialamts. Denn diese nun neuen Unterkünfte bedeuteten lediglich den halben Weg. Bereits im Herbst will die Verwaltung weitere Standort mit 1600 bis 1800 Plätze vorschlagen. „Uns ist es dabei wichtig auf Notunterkünfte in Turnhallen oder Bürgerhäusern verzichten zu können und die Hilfesuchenden menschenwürdig unterzubringen“, betonte Finanzbürgermeister Michael Föll.

OrtBauplatz in Untertürkheim Foto; Enslin

In der aktuell nunmehr vierten Tranche sind zehn neue Standorte für Systembauten vorgesehen. Hinzu komme ein Elfter, noch in Planung befindlicher in Degerloch. Somit werden für 55 Millionen Euro zu den bislang bestehenden 3300 weitere 2250 Plätze geschaffen. Standorte sind unter anderem in der Quellenstraße in Bad Cannstatt (243 Plätze), im Sturmvogelweg in Neugereut (156) und an der Württembergstraße erstmals in Untertürkheim (243). Für fast ausnahmslos städtischen Flächen müssten bestehende Pachtverträge gekündigt werden. In der weiter wachsenden Landeshauptstadt gebe es keine brachliegenden Grundstücke, auch angesichts der Wohnungsknappheit, erklärte Föll. Vielmehr seien „nach sehr differenzierter Betrachtung“ unter den Gesichtspunkten der Eignung, Verfügbarkeit und baurechtlichen Genehmigungsfähigkeit die Standorte ausgewählt worden. Dabei sind sich Verwaltung und Stadträte einig, dass mit Widerständen zu rechnen sei. Man wolle aber allen Pächtern, „wenn es möglich ist“, eine Ersatzfläche anbieten. Bei aller Diskussion müsse man jedoch festhalten, dass die Zuwanderung von Flüchtlingen „auch für eine Bereicherung der Stadtgesellschaft gesorgt haben“, sagt Föll. Stuttgart sei eine weltoffene Stadt.

Dafür spreche auch die Vielzahl der ehrenamtlichen Engagierten zur Eingliederung. „Auch in Neugereut hat der Bürgerverein bereits angekündigt, einen Freundeskreis gründen zu wollen“, erklärte CDU-Stadtrat Fuhrmann. Allerdings gelte es, die Beratungen in den betroffenen Bezirksbeiräten abzuwarten. Die Stadtverwaltung sei dabei gerne bereit, gegebenenfalls Vorschläge für andere Flächen zu prüfen, „aber sicher dürfen diese nicht in anderen Stadtbezirken liegen“. Schließlich sei eine Gleichverteilung auf das gesamte Stadtgebiet ein zentraler Punkt.

Beim TBU - Flüchtlingsunterkunft statt Friedhofserweiterung

UZ 16.6.2015 - UNTERTüRKHEIM: An der Württembergstraße entstehen Systembauten für 243 Flüchtlinge - Weitere Standorte in Bad Cannstatt und Neugereut

Die Stadt plant zehn weitere Standorte für Flüchtlingsunterkünfte in Stuttgart. Bis Ende 2016 sollen in den Systembauten mehr als 2000 Plätze geschaffen werden. Unter anderem sollen Flüchtlingsunterkünfte an der Quellenstraße in Bad Cannstatt, am Sturmvogelweg in Neugereut und erstmals an der Württembergstraße in Untertürkheim entstehen. „Es ist ein absoluter Kraftakt“, erklärt Erster Bürgermeister Michael Föll - auch in finanzieller Hinsicht. Die Stadt investiert in die neuen Standorte 50 Millionen Euro.

Von Alexander Müller

Der Strom der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, reißt nicht ab. Das hat auch weitreichende Auswirkungen auf Stuttgart. Bislang ging man bei der Verwaltung von circa 2000 Flüchtlingen aus, die bis Ende 2016 untergebracht werden müssen. Allerdings hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Zahl der zugewiesenen Personen für Stuttgart noch einmal deutlich erhöht - um 1600. Trotz der inzwischen vierten Tranche mit den zehn weiteren Flüchtlingsunterkünften „befinden wir uns erst auf halbem Weg“, betonte Föll. So will die Verwaltung im Herbst weitere Standorte vorschlagen. Keine leichte Aufgabe.

Die Suche in Stuttgart nach geeigneten Flächen sei mehr als schwierig. „Angesichts der topografischen Lage und des vorhandenen Wohnungsmangels haben wir keine großen Wahlmöglichkeiten“, betonte der Finanzbürgermeister wohlwissend, dass man nicht „überall auf Zustimmung stoße“. Trotz des politischen Drucks wolle man aber unbedingt am Stuttgarter Weg festhalten. Dieser sieht vor, „die Flüchtlinge in menschenwürdigen Unterkünften und vor allem dezentral unterzubringen“, erklärt Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer. Und nicht in Bürgerhäusern, Turnhallen oder Zeltstädten. Dazu gehöre auch die umfassende Betreuung vor Ort. In Stuttgart entfalle auf 68 Flüchtlinge ein sozialpädagogischer Betreuer. „Das ist einmalig in Baden-Württemberg“, sagt Fezer. Das habe sich bislang in den 73 Einrichtungen mit 3298 Flüchtlingen bewährt, um auch die Integration innerhalb der Nachbarschaft zu gewährleisten.

Bislang sind die Einrichtungen auf 17 Stadtbezirke verteilt. Neu hinzu kommen nun erstmals auch eine Unterkunft in Degerloch, für die die Standortprüfung noch laufe und deshalb in der aktuellen Liste noch nicht enthalten sei und auch Untertürkheim.

Auf der städtischen Grünfläche an der Württembergstraße, die einst als Erweiterungsfläche für den Friedhof vorgesehen war, soll ein Systembau mit drei Häusern für 243 Flüchtlinge entstehen. Der Bereich unterhalb des Sportgeländes des TBU erfülle die nötigen Kriterien: die soziale Verträglichkeit, die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und die Nahversorgung sowie in erster Linie die Verfügbarkeit.

Pachtverträge für Gärten gekündigt

Allerdings mussten einige Pachtverträge über Gärten und Wiesen gekündigt werden. „Im Rahmen der Möglichkeiten wollen wir aber Ausweichflächen anbieten“, betonte Föll. Das Landschaftsschutzgebiet sei dabei nicht betroffen, lediglich für eine kleine Parzelle müsse eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden.

Ebenfalls ein Systembau mit drei Gebäuden und 243 Plätzen ist an der Quellenstraße in Bad Cannstatt geplant. Auf dem 6000 Quadratmeter großen Areal im Gewerbegebiet befinden sich derzeit noch Lagerräume für Firmen deren Pachtverträge ebenfalls nicht verlängert werden. Das ist im Sturmvogelweg in Neugereut nicht notwendig. Das 2700 Quadratmeter große Grundstück wird derzeit nicht genutzt, da es für zukünftige Parkplätze bei einer eventuellen Erweiterung des angrenzenden Sportgeländes vorgehalten wird. Auf dem Areal sollen zwei Systembauten mit 156 Plätzen entstehen. „In die bestehenden Parkplätze des TSV Steinhaldenfeld wird aber nicht eingegriffen“, betont Föll.

Zunächst auf fünf Jahre sind die Nutzungsrechte für alle Standorte die sich auch auf Feuerbach, Stuttgart-Mitte, Möhringen, Plieningen, Stammheim, Vaihingen und Zuffenhausen verteilen, beschränkt - mit der Option auf weitere fünf Jahre. Am Freitag sollen die Vorschläge im Wirtschaftsausschuss und im Anschluss in den betroffenen Bezirksbeiräten behandelt werden, bevor der Gemeinderat am 17. Juli den Beschluss fassen muss, betont Föll, „um die Unterkünfte im vorgegebenen Zeitrahmen erstellen zu können“.

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