Stuttgarter Zeitung online vom 8.6.2002

Foto: Vögele
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Foto: Vögele
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Oben: Die Spritzen aus den 30er Jahren waren schon stark genug, um dem Stuttgarter Publikum einen Regenschauer zu bescheren.
Unten: Mit Fahrzeugen aus dem Museum fuhr die Feuerwehr vor dem neuen Schloss auf.



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Jubiläum Geschichte der Stuttgarter Feuerwehr




 
Tag der Feuerwehr
Zum Jubiläum regnet es aus der Spritze

Die Landesfeuerwehren feierten das 150-jährige Bestehen der Stuttgarter Feuerwehr


"Feurio!" schallte es am Samstag Nachmittag über den Stuttgarter Schlossplatz und von Dach und Balkon des Neuen Schlosses steig Rauch auf. Eine neugierige Menschenmenge hatte sich auf dem Innenhof zusammengefunden. Doch nicht mit Hydraulik-Spritzen und Feuerlöschern, sondern mit uralten Hand- und Dampfspritzen rückte man dem vermeintlichen Brand zu Leibe, einige Burschen sprangen sogar mit wassergefüllten Ledereimern zu Hilfe.

So ähnlich musste das in der Zeit der Gründung der Feuerwehr Stuttgart zugegangen sein, die am Samstag mit einem großen Spektakel ihr 150-jähriges Bestehen feierte. Der ganze Schlossplatz war ein einen "Platz der Feuerwehren" verwandelt worden, Informationsstände und actionreiche Löschübungen lockten hunderte von Menschen an.

Doch nicht nur die Stuttgarter Feuerwehr feierte: Wehren aus dem ganzen Land waren angerückt. Der Landesfeuerwehrverband hatte die Leistungsschau anlässlich des Landesjubiläums 50 Jahre Baden-Württemberg organisiert.

Einen Augenschmaus für Kinder und jung gebliebene Väter war der Korso historischer Fahrzeuge, von denen einige bei den anschließenden Löschübungen in Aktion erlebt werden konnten. In historischen Uniformen inszenierten die Feuerwehrleute eine feuchte Zeitreise durch die Geschichte der Feuerwehr, von Pferden gezogenen Löschpumpen kamen ebenso zum Einsatz wie die ersten Diesel-Fahrzeuge aus den 30er Jahren.

An zahlreichen Ständen konnten sich die Besucher über Arbeitsweisen, Einsatzgebiete und neueste Techniken der Feuerwehren informieren. Mittels Live-Übertragung aus der Einsatzzentrale konnten die Abläufe im Alarmfall miterlebt werden. Die Höhenrettungstruppe der Berufsfeuerwehr demonstrierte spektakuläre Rettungsaktionen. Und wer sich selbst berufen fühlte, konnte erfahren, dass der Einstieg bereits in jungen Jahren möglich ist: Rund 400 Jugendliche im Alter zwischen zehn und 17 Jahren sind in der Stuttgarter Jugendfeuerwehr organisiert.

Als Ehrengäste würdigten Innenminister Thomas Schäuble (CDU) und Oberbürgermeister Wolfgang Schuster die Arbeit der Feuerwehren und das Engagement der Ehrenamtlichen. 115.000 Männer und Frauen sind nach Angaben des Geschäftsführers des Landesfeuerwehrverbandes, Willi Dongus, in den verschiedenen Verbänden tätig, lediglich 2000 davon seien Hauptamtliche. 100.000 Mal rücken die Aktiven jährlich zu Bränden, Unfällen, Katastrophenhilfe sowie Mensch- und Tierrettungen aus.

Gegenüber der Presseagentur dpa wies Dongus auf die Finanzprobleme der Feuerwehren hin. So seien schon jetzt 40 Prozent der Einsatzfahrzeuge älter als 20 Jahre und müssten in zehn Jahren ausgemustert werden. Geld für neues Material sei aber nicht ausreichend vorhanden. Eingereichte Anträge würden nur zur Hälfte bewilligt.

47,5 Millionen Euro sind im Doppelhaushalt 2002/03 eingeplant - Zielmarke wären 51 Millionen. "Unser Hilfeleistungssystem bricht nicht morgen zusammen," meinte Dongus gegenüber dpa, "aber mittelfristig bekommen wir erhebliche Probleme."

08.06.2002 - aktualisiert: 08.06.2002, 21:56 Uhr




 



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