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FWH

100 Jahre Cannstatter Feuerwache 3

100 jahre

Stuttgarter Zeitung, 24.10.2006

Flaggschiff der Stuttgarter Feuerwehr
Die Hauptfeuerwache 3 in Bad Cannstatt feiert ihr 100-Jahr-Jubiläum - Viele große Einsätze

Heffner, Markus

In der Feuerwache Bad Cannstatt wird heute der hundertste Jahrestag gefeiert. Erinnert wird dabei vor allem an die Großbrände und spektakulären Einsätze, aber auch an die schwärzeste Stunde der Cannstatter Feuerwehr.

Von Markus Heffner

HohlRolf Dieter Hohl ist Feuerwehrmann mit Leib und Seele, und das nunmehr schon seit mehr als 40 Jahren. Feuerwehrpräsident von Bad Cannstatt wird der Dienststellenleiter der Feuerwache 3 in der Mercedesstraße respektvoll genannt, denn der heute 59- Jährige hat viel bewegt und auch viel zu erzählen. Von ausgestopften Kobras etwa, die ein ganzes Kommando beschäftigt haben, von nassgespritzten Papageien, Eisenbahnunfällen, Großbränden und jenen Erinnerungen an Unglücke, die ihn bis heute nicht loslassen.

Seit fast zehn Jahren leitet der Cannstatter nun schon die "heimische" Hauptfeuerwache, auf der heute mit viel Prominenz und Reden der hunderste Jahrestag der Wache begangen wird. Wie zu solchen Anlässen üblich, wird dabei vor allem an die großen Einsätze der Cannstatter Floriansjünger erinnert: den Brand in der Gasfabrik Gaisburg im Jahr 1921, das schwere Eisenbahnunglück von 1923, das Feuer im Alten Schloss von 1931 oder den Brand in der Zuckerfabrik im Jahr 1967, den der heutige Feuerwehrchef Frank Knödler, dessen Elternhaus keine 250 Meter entfernt stand, damals als Schulbub aus nächster Nähe erlebt hat, wie er sagt. 1959 brannte die Holzhandlung Fischer & Söhne in der Cannstatter Straße, 1976 die Firma Lesonal in Feuerbach, 1992 der Firnhaber-Bau, 1994 das Wohnhaus Geißstraße 7. Bei diesen und allen weiteren Einsätzen hätten die Cannstatter Feuerwehrmänner teils unter Einsatz ihres Lebens alles getan, um zu retten, was noch zu retten war, betont Hohl.

FW3 - 1921
Gestern und heute: nicht nur der Fahrzeugpark der Wache hat sich im Vergleich zu 1921 deutlich verändert. Fotos Feuerwehr/Archiv

Doch nicht immer sind die Cannstatter Feuerwehrmänner ausgezogen, um zu helfen, und auch an diesen unrühmlichen Teil ihrer Geschichte wollen die Verantwortlichen heute zur Feierstunde mahnend erinnern. An jene Nacht zum 10. November 1938, in der die Nationalsozialisten den Judenpogrom inszenierten und die Cannstatter Synagoge auf Befehl des Stuttgarter Branddirektors vom Wachvorsteher der Feuerwache 3 und zwei seiner Feuerwehrleute angezündet wurde. Die Besatzung der alarmierten Löschzüge schaute später tatenlos zu, wie die Synagoge niederbrannte. 1947 verurteilte das Landgericht Stuttgart die Verantwortlichen zu Freiheitsstrafen. "Auch dieser dunkle Fleck gehört zu unserer Historie", sagt Knödler.

Mit einem Feldwebel, 14 Mann und "sieben kleineren Bränden" ging die Cannstatter Feuerwache 1906 in Betrieb. Heute muss die Wache mit 81 Mitarbeitern bis zu 2000 Einsätze pro Jahr leisten. Das Wachgebiet reicht von Hedelfingen über den Stuttgarter Osten auf beiden Seiten des Neckartals bis nach Mühlhausen. Damit sei man für insgesamt 140 000 Menschen verantwortlich, sagt Dienststellenleiter Hohl. Seit dem Jahr 2002 trägt die Cannstatter Wache den Titel Hauptfeuerwache, wofür letztlich auch Brandoberamtsrat Rolf Dieter Hohl verantwortlich ist. "Wir haben auf meine Initiative hin Unterschriften gesammelt und die Verwaltung darauf hingewiesen, dass wir alle Kriterien einer Hauptfeuerwache erfüllen", sagt Hohl.

FW3
Zum einen habe man in Cannstatt die meisten Fachabteilungen, die Verwaltung und die Direktion. Außerdem würden die jungen Neuzugänge überwiegend in Cannstatt ausgebildet. Seit April 2006 steht auf dem Gelände der Feuerwache zudem die neue Leitstelle für Sicherheit und Mobilität, in der Feuerwehr-, Rettungs- und Verkehrsleitstelle sowie der Krisenstab unter einem Dach vereint sind. Und spätestens mit Realisierung des 15 Millionen Euro schweren Projekts steht für Knödler und Hohl fest: die Cannstatter Wache ist das Flaggschiff der Stuttgarter Feuerwehr.

Feuerwehr demonstriert in der Marktstraße
Brandbekämpfung wie vor 100 Jahren

Bad Cannstatt: 11.10.2006 - UNTERTÜRKHEIMER ZEITUNG

(uli) - Die Cannstatter Feuerwehr wird 100 Jahre alt. Was sich in diesem Zeitraum alles geändert hat, davon konnte man sich gestern vor dem Alten Bezirksrathaus ein Bild machen, in dem "Feuer" ausgebrochen war. Denn die Rettungskräfte fuhren mit einem Löschwagen vor, der von Pferden gezogen wurde. Fotos: Enslin

Historische Übung 1906
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Moderne Übung 2006
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Bezirksvorsteher Thomas Jakob im Korb
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Wasserrettung auf dem Neckar
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Fotos: Enslin

Stuttgarter Nachrichten, 12.10.2006

Wasser marsch zum 100.

Feuerwache 3 in Bad Cannstatt feiert Jubiläum

Rauch im ersten Stock, das alte Rathaus brennt! Doch statt heulender Sirenen schellt nur eine Glocke: Vor 100 Jahren rief der Büttel die Feuerwehr persönlich. Zum Cannstatter Berufsfeuerwehrjubiläum demonstrierten die Floriansjünger am Mittwochabend Löscheinsätze vor 100 Jahren und heute.

VON JAN GEORG PLAVEC

Zunächst war das historische Löschfahrzeug gefragt - mit zwei Pferden bespannt und per Hand zu bedienender Pumpe. Löschen war einst echte Schweißarbeit für die Feuerwehrleute. 15 von ihnen waren 1906 in der Cannstatter Feuerwache 3 stationiert - heute sind es 80. Effektiv gelöscht wurde aber schon damals, wenn auch mit mehr Muskelkraft. Auch mussten einige der rund 400 Zuschauer mithelfen: Per Eimerkette wurde das Wasser herangeschafft.

"Ich bin froh, heute Feuerwehrmann zu sein", sagte nach der historischen Übung Horst Esslinger von der Cannstatter Feuerwehr, "mit den neuen Autos stehst du da und hältst einfach zwanzig Minuten die Pumpe hin." Auch die der Zeit um 1906 nachempfundene Übung geriet kürzer als damals - vermutlich lockte das beim Rathaus aufgebaute Vesper.

Eben jene "neuen Autos", die Feuerwehrmann Esslinger erwähnte, demonstrierten nach einer musikalischen Einlage des Spielmannszugs, wie weit die Technik fortgeschritten ist. Unter ohrenbetäubendem Sirenengeheul fuhr der Löschzug ein, pumpte 2000 Liter pro Minute ins simulierte Feuer und rettete per Sprungrettung und Drehleiter noch Eingeschlossene aus dem zweiten Stock des alten Rathauses - neben Quellenclub-Prinzessin Tanja I. auch den neuen Bezirksvorsteher Thomas Jakob, der aus dreißig Meter Höhe dem Publikum zuwinkte.

Das zog zum Abschluss weiter auf die Wilhelmsbrücke, denn die Berufsfeuerwehr wollte zeigen, was sie im 100. Jahr ihres Bestehens noch kann. Gestern hievte sie drei Schlauchbootfahrer aus dem Neckar, die gekentert waren, einer davon war bereits untergegangen. Ein Fall für den Taucher, auch wenn der Mühe hatte, den Verunglückten - eine Puppe - in der sechseinhalb Meter tiefen, stockdunklen Melange aus Wasser, Schlamm und Müll zu finden.

Letztlich kam aber auch diese Übung zu einem glücklichen Ende. "Wieder eine erfolgreiche Rettung!", rief Rolf Hohl, Chef der Hauptfeuerwoche und Moderator ins Publikum. Er hatte die Aktion gemeinsam mit Stellvertreter Jürgen Rembold und Erwin Warbinek organisiert und war hoch zufrieden, auch wenn er den Zuschauern wünschte, "dass Sie niemals unsere Dienste in Anspruch nehmen müssen".

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