Aus der Stuttgarter Zeitung, 1.6.2002

Brände und Unglücke seit 1852

Die Feuerwehr Stuttgart im Großeinsatz

In den 150 Jahren ihres Bestehens hat die Stuttgarter Feuerwehr immer wieder spektakuläre Einsätze bewältigt: mal brannte das Schloss, mal die Oper oder eine Fabrik. Auch bei schweren Unfällen mussten die Wehrmänner helfen. Die folgende Liste zeigt Beispiele auf.

13. November 1852: Erster Einsatz der neu gegründeten Feuerwehr beim Brand der koppenhöferschen Brauerei.

21. Mai 1858: Großbrand bei Mayer am Markt. Die Firma stellte damals auch Schießpulver, Feuerwerkskörper und Patronen her. Das im obersten Stock gelagerte Material geriet auf ungeklärte Weise in Brand. Obwohl der Dachstuhl lichterloh brennt, rettet die Feuerwehr die Nachbarhäuser. Hunderte Zuschauer auf dem Marktplatz.

10./11. September 1861: Die Fabrik Schöttle-Laiblin im Westen brennt. Drei Feuerwehrmänner kommen um. Schon damals wurde ¸¸die Behinderung der Löscharbeiten durch herumstehendes Volk'' angeprangert.

9. Dezember 1879: Der hölzerne Zirkusbau in der Neckarstraße brennt ab. Die Opfer: zwei Menschen und neun Pferde. Die Löscharbeiten sind schwierig - das Löschwasser gefriert bei minus 23 Grad.

September 1888: Die reinigersche Zigarrenfabrik in der Senefelderstraße brennt ab. Gesamtalarm für die Wehr, aber keine Opfer.

15. Januar 1898: Großbrand im Garnisonslazarett. 46 Kranke gerettet, Kommandant Bruno Jacoby und einige Feuerwehrleute leicht verletzt durch Rauch.

FF-Karlsvorstadt (Heslach) mit dem Heslacher Feuerwehrhaus - heute Altes Feuerwehrhaus.

Erbaut 1887/88 - ehemalige Feuerwache mit Turnhalle und Steigerturm. Architekt Stadtbaurat Emil Mayer. Der Bau hat ein dekoratives rotes Backsteinmauerwerk und helle Werkstein- gliederungen in Formen der deutschen Renaissance.

Bis 1920 wurde das Gebäude als Feuerwehrhaus genutzt, danach war ein Knabenhort, ein Waisenhaus und eine Suppenküche untergebracht.

19./20. Januar 1902: Brand im Hoftheater, trotz nächtlicher Sicherheitswache. 260 Mann alarmiert, davon 56 der Berufsfeuerwehr, 100 der Reservefeuerwehr und mehr als 100 der Freiwilligen Feuerwehr Karlsvorstadt; dazu sechs Maschinendrehleitern, drei Dampfspritzen und 40 Rohre im Einsatz. Zuschauerraum und Bühnenhaus total ausgebrannt, einige Verletzte.


Brand des Hoftheaters am Schlossplatz 1902

15. August 1906: Die Zuckerfabrik in Cannstatt brennt zum ersten Mal. Zwei Tote und einige Schwerverletzte.

15. Oktober 1907: Ein Neubau in der Kleinen Königstraße stürzt ein. Vier Arbeiter aus Italien kommen ums Leben, drei werden schwer verletzt.

16. November 1922: Im Gaswerk Gaisburg brennt ein Behälter.

21. Dezember 1931: Brand des Alten Schlosses - einer der schwierigsten Einsätze seit Gründung der Berufsfeuerwehr. Brandursache war vermutlich ein schadhafter Kamin, an dem Schwelbrand entstand. Hohlräume in Decken und Wänden bis zum Dach begünstigen das Feuer. Drei Feuerwehrleute tot, zwei Schwer- und 60 Leichtverletzte.



Brand des Alten Schlosses

17. Januar 1937: Wieder ein Großbrand in der Zuckerfabrik.

1940 bis 1945: 53 Luftangriffe alliierter Bomber; zahllose Feuerwehreinsätze.

11. Februar 1946: Straßenbahnunfall in der Charlottenstraße. 12 Tote, 53 Verletzte.

30. Juni 1946: Im Güterbahnhof Untertürkheim brennt ein Benzinzug lichterloh.

19. Februar 1953: Großbrand bei Breuninger. Ein Toter, Millionenschaden.

13. August 1962: Großbrand im Rohbau des Feuerbacher Kühlhauses Krempel. Gesamtalarm für die Berufsfeuerwehr. Zwei Handwerker kommen ums Leben, vier Feuerwehrleute werden verletzt.

27. September 1967: Wieder brennt die ¸¸Zuckerbüchs'''. Sechs Millionen Schaden.

22. August 1971: Wohnhausbrand in der Hauptstätter Straße. Drei Tote.

15. August 1972: Großeinsatz nach Unwetter über Stuttgart. Hunderte Keller sind überschwemmt, Menschen in ihren Autos in Unterführungen eingeschlossen. Zwei Tote.

14. August 1975: In der unterirdischen Haltestelle Marienplatz kippt ein Straßenbahnzug der Linie 1 um. Die Unfallhilfetruppe der Feuerwehr muss zahlreiche Menschen retten. Sechs Tote und 24 Verletzte.

8. Juli 1976: Großbrand in der Lackfabrik Lesonal in Feuerbach mit zwei Millionen Mark Schaden. Gesamtalarm für die Berufsfeuerwehr, dazu 200 Mann der Freiwilligen Feuerwehr. 30 Rohre im Einsatz.

27. Mai 1979: Wohnhausbrand in der Wagenburgstraße. Drei Tote, viele Verletzte.

18. Dezember 1989: Das Freizeitheim der Sportvereinigung Feuerbach, in dem Aussiedler aus der DDR wohnen, brennt ab. Vier Schwerverletzte, acht Millionen Schaden.

15. Januar 1990: Wohnungsbrand in einem Haus im Cannstatter Hallschlag. Vier Kinder kommen ums Leben.

6. April 1992: Hotelbrand in Zuffenhausen. Zwei Menschen kommen um.

22. Juni 1992: Großfeuer nach Brandstiftung im Möbelhaus Firnhaber zwischen Calwer und Kronprinzstraße. 30 Millionen Mark Sachschaden.

6. Dezember 1992: Wohnhausbrand in der Weimarstraße. Zwei Tote.

16. März 1994: Brand im Wohnhaus Geißstraße 7. Bei der schlimmsten Brandkatastrophe in Stuttgart nach dem Zweiten Weltkrieg kommen fünf Erwachsene, zwei Kinder und ein Ungeborenes ums Leben. Das Feuer hatte sich in dem überbelegten Haus mit seinen acht Wohnungen rasend schnell vom Eingang aus verbreitet. Großeinsatz für Feuerwehr und Rettungsdienst.

11. Oktober 1996: Feuer im Keller eines Neugereuter Hauses. Drei junge Leute tot.

25. September 1998: In einem Betrieb für Abfallverwertung im Hafen fangen drei Öltanks im Keller Feuer. Zwei Männer werden verletzt, es entsteht ein Millionenschaden.

25. Mai 2002: Großeinsatz beim Brand im Möbelhaus Class in Mühlhausen.
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Brand im Möbelhaus Class in Mühlhausen =>

Literatur:
Stuttgarter Feuerwehrchronik -
150 Jahre kommunale Feuerwehr 1852-2002
Joachim Haase, Stadtbranddirektor i. R.
Stuttgart 2002