Gasexplosion in einem Doppelhaus im Danielweg in Luginsland


POLIZEIBERICHT:
Am 12. Januar 1997 kommt es in Folge einer defekten Gasleitung im Danielweg in Luginsland zu einer Gasexplosion in einem Doppelhaus bei der 5 Personen, zwei davon lebensgefährlich, verletzt werden. Durch die Wucht der Explosion stürzt die Giebelwand auf ganzer Höhe ein, das Gebäue steht in Flammen, mehrere angrenzende Gebäude werden wegen Explosionsgefahr geräumt. Zur Rettung und Brandbekämpfung sind 2 Löschzüge der Berufsfeuerwehr, die Freiwillige Feuerwehr Untertürkheim und etliche Sonderfahrzeuge im Einsatz. Die Brandbekämpfung erfolgt mit 2 Wenderohren, 1 B- und 5 C-Rohren. Zusammen mit dem Technischen Hilfswerk wird das stark beschädigte Gebäude gesichert.

Einer der Verletzen stirbt noch am selben Tag an seine schweren Brandverletzungen.


Stuttgarter Zeitung, 13.01.1997

Ein Toter bei Gasexplosion

hsw. STUTTGART. Durch eine Gasexplosion ist gestern nachmittag eine Doppelhaushälfte in Stuttgart völlig zerstört worden. Dabei wurde ein Mann getötet. Vier weitere Hausbewohner wurden verletzt. Die Druckwelle sprengte eine Giebelwand des Hauses im Stadtteil Luginsland komplett heraus und löste einen Brand aus. Im ersten Stock des Hauses erlitten eine 40jährige Frau und ein 50 Jahre alter Mann schwerste Verbrennungen von bis zu 80 Prozent der Haut. Der Mann erlag noch am späten Sonntag abend seinen Verletzungen. Ihr 14jähriger Sohn, der sich im Dachgeschoss aufhielt, sowie ein Ehepaar im Alter von 77 und 74 Jahren, die im Erdgeschoss wohnten, wurden leicht verletzt.

Ein 60jähriger Nachbar erschrak so stark, dass er mit einem Herzanfall ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Ursache der Explosion war nach Polizeiangaben vermutlich ein Leck in einer Hauptgasleitung außerhalb des Hauses.

Noch Stunden nach dem Unglück herrschte in dem Wohngebiet Explosionsgefahr. Feuerwehrleute und Spezialisten der Technischen Werke Stuttgart (TWS) waren dabei, das Leck in der Gasleitung abzudichten. Im Umkreis von 150 Metern wurden sämtliche Häuser evakuiert. Rund 30 Bewohner aus Nachbarhäusern wurden in einem nahegelegenen Altenheim sowie in Bussen der Polizei und der Stuttgarter Straßenbahnen AG von Helfern des Roten Kreuzes versorgt. Sie konnten gegen 20.00 Uhr wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Der Sachschaden wird auf mehrere 100 000 Mark geschätzt.


Explosionsopfer gestorben

Der 50jährige, der bei der Gasexplosion in Luginsland schwere Brandverletzungen erlitten hat,
ist gestorben. Die TWS sagten verstärkte Kontrollen zu.


Stuttgarter Zeitung, 14.01.1997

Schadhafte Stelle in Luginsland freigelegt

Leck in Gasleitung hat Explosion ausgelöst

Verletzte weiterhin in Lebensgefahr

Von Thomas Schwarz

Die Technischen Werke der Stadt Stuttgart (TWS), die das Gasleitungsnetz betreiben, haben die Verantwortung übernommen und den Opfern schnelle, unbürokratische Hilfe zugesichert. "Für den Schaden wird eine Versicherung der TWS aufkommen'', sagt Dr. Jörg Burkhardt, Prokurist und Leiter der Hauptabteilung Gasbeschaffung des Unternehmens, der am Sonntag noch vor Ort war. Gestern hat ein Bautrupp der TWS ein acht Meter langes Stück des Danielwegs aufgegraben und die undichte Stelle in der Hauptgasleitung gefunden, aus der das Gas ausströmte. Diese Leitung wurde zuletzt im Juni 1996 mit hochempfindlichen Gasspürgeräten turnusgemäss überprüft - ohne Beanstandung.
"Normalerweise wäre das Gas, das leichter ist als Luft, aus dem Riss nach oben geströmt. Da der Boden jedoch 70 Zentimeter tief gefroren ist, ist es seitlich durch das Erdreich in die angrenzenden Gebäude gedrungen'', erklärt Burkhardt. Im Haus Nägelesäcker 8, an der Ecke zum Danielweg, war die Gaskonzentration schließlich so hoch, dass es zur Explosion kommen konnte. Die Häuser seien mit der Gashochdruckleitung, die 1926 in 1,80 Meter Tiefe im Erdboden verlegt wurde, nicht einmal verbunden. Das Stahlrohr, das Fellbach mit Untertürkheim verbindet, hat einen Durchmesser von 25 Zentimeter. Bisher seien an dem Leitungsabschnitt keine Schäden aufgetreten.

Frost beschädigt Leitung

Wie es zu dem Riss in der Leitung kam, ist noch ungeklärt. Wahrscheinlich hat ein Frostschaden den Riss hervorgerufen. Gestern liess ein Gutachter vom Engler-Bunte-Institut der Universität Karlsruhe, der von den TWS zur Beurteilung des Leitungsschadens hinzugezogen wurde, gegen 16 Uhr Löcher in die Strasse bohren, um im Erdboden verbliebenes Gas abzuleiten. "Das ist ein ganz normaler Vorgang'', beruhigte Peter Hofer, Leiter der Hauptabteilung Rohrleitungen der TWS.

Gasgeruch aufgefallen

"Durch die Maßnahme können wir sicher sein, dass kein Gas mehr im Erdboden ist.'' Die Feuerwehr war sicherheitshalber gegen 16 Uhr angerückt, nachdem sich der Gasgeruch bemerkbar gemacht hatte.
Auch am Sonntag hatten Passanten kurz vor der Explosion Gasgeruch wahrgenommen. "Eine Nachbarin ist mit ihrem Sohn vor unserem Haus vorbeigegangen und hat gesagt, dass es nach Gas riecht'', berichtete Heinz Kimmerle, der rund 200 Meter vom Danielweg entfernt in der Flohbergstrasse wohnt, gegenüber der "Stuttgarter Zeitung''. Eine Viertelstunde später habe sich die Explosion ereignet.
Diese sei im Vergleich zu anderen Gasexplosionen noch verhältnismässig glimpflich ausgegangen, sagte Dr. Frank Knödler, Leiter der Stuttgarter Branddirektion. "Es ist nicht ungewöhnlich, dass dabei die Häuser zusammenstürzen und die Bewohner unter sich begraben.'' Das Haus in der Strasse Nägelesäcker wurde bereits am Sonntag abend von der Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk abgestützt; eine Plane schützt nun die zerstörte Hausfront vor Witterungseinflüssen. Der Sachschaden kann immer noch nicht näher angegeben werden. Es wird weiterhin von mehreren 100 000 Mark gesprochen.


Stuttgarter Zeitung, 18.01.1997

Opfer der Gasexplosion - Schuster spricht sein Beileid aus

In einem Brief hat Oberbuergermeister Wolfgang Schuster den Eltern und Angehoerigen des nach der Gasexplosion in Luginsland verstorbenen 50jaehrigen Familienvaters sein Beileid ausgesprochen. In dem Schreiben an die Eltern des 50jaehrigen, der am 14. Januar seinen schweren Brandverletzungen erlegen war, heisst es unter anderem: ,,Mit grosser Betroffenheit habe ich die Nachricht vernommen, dass Ihr Sohn an den Folgen seiner schweren Verletzungen, die er bei dem tragischen Gasunglueck erlitten hat, gestorben ist. Ich spreche Ihnen und Ihren Angehoerigen im Namen der Landeshauptstadt Stuttgart mein herzliches Beileid zu diesem schweren Verlust aus. Mit Ihnen und Ihren Enkeln hoffe ich, dass Ihrer Schwiegertochter eine rasche und vollstaendige Genesung beschieden sein wird.'' Der Nachbarsfamilie, die der durch die Explosion obdachlos gewordenen Familie Unterkunft gewaehrt hat, schrieb Schuster: ,,Mir wurde berichtet, in welch vorbildlicher und solidarischer Weise Sie sich um Ihre Nachbarn kuemmern, nachdem diese nun auch noch ihren Sohn verloren haben. Ich darf Ihnen fuer dieses nachbarschaftliche Engagement herzlich danken. Sollten Sie in irgendeiner Form Unterstuetzung benoetigen, so lassen Sie mich dies bitte wissen.'' jam


Stuttgarter Zeitung, 10.03.1997

Aktion in Luginsland - 40 000 Mark für Explosionsopfer

40.000 Mark sind seit der folgenschweren Gasexplosion in Luginsland auf den Spendenkonten aufgelaufen, die von Nachbarn spontan eingerichtet wurden. "Das hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen'', sagt der Untertürkheimer Bezirksvorsteher Klaus Eggert. Die besondere Anerkennung gelte auch den Helfern des Technischen Hilfswerks, die während des Unfalls im Einsatz waren und ebenfalls eine beträchtliche Summe für den guten Zweck beigesteuert haben.
Untersuchungen der TWS haben ergeben, dass die Hochdruckleitung im Danielweg nicht mehr in Betrieb genommen werden muss. Da die Gasdruckregelanlage an der Augsburger Strasse ohnehin umgebaut werde, könne man die Zuführung so konzipieren, dass die Verbindung von Fellbach nach Bad Cannstatt aufgegeben werden kann. lai