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Stuttgart - Bad Cannstatt hat ab
sofort eine Hauptfeuerwache

Aus der Untertürkheimer Zeitung vom 11.12.2002

Bad Cannstatt hat ab sofort eine Hauptfeuerwache

Feuerwache 3 in der Mercedesstraße 35 wurde gestern offiziell umbenannt

Von Stefan Siegle

Bad Cannstatt - Die Feuerwache 3 in der Mercedesstraße darf sich seit gestern offiziell Hauptfeuerwache nennen. Amtsleitung und Personalrat der Stuttgarter Feuerwehren stimmte dem Wunsch und dem entsprechenden Antrag des Dienststellenleiters Rolf Hohl zu. Ein weißes Metallschild am Hofeingang soll die Namensänderung auch nach außen hin sichtbar machen.

HohlDer Namensänderung vorausgegangen war eine Umfrage in mehreren Großstädten, um Vergleiche zu Stuttgart herstellen zu können. "Es hatte sich dabei herausgestellt", so Rolf Hohl, Dienststellenleiter in Bad Cannstatt, "dass gewisse Parallelen da sind." In Städten mit einer Hauptfeuerwache würde es stets mehrere Feuerwachen geben, zudem sei auf der Hauptfeuerwache die Einsatzzentrale angesiedelt. Als weiteres Kriterium nannte er, dass die Amtsleitung ihren Sitz in der betreffenden Feuerwache habe, dass ein Teil der Fachabteilungen in der Wache untergebracht sind und dass die postalische Anschrift der Branddirektion und der Berufsfeuerwehren vor Ort sei. Hohl: "Dies trifft alles auf die Feuerwache 3 Bad Cannstatt zu und unterstreicht somit unseren Wunsch nach Umbenennung." Die Cannstatter Wache wurde im Jahr 1938 gegründet und ist eine von fünf Wachen der Berufsfeuerwehr in Stuttgart. Natürlich sei die Namensänderung nur eine Image-Sache, könne aber durchaus als Aushängeschild für die Wache als auch für Stuttgart fungieren. Wenn freilich in der Arbeit alles beim Alten bleibe, so habe die Umbenennung in Hauptfeuerwache einen repräsentativen Charakter, so Frank Knödler, Chef der Stuttgarter Feuerwehren. "Es war eine Idee der Kollegen und ist innerhalb von drei Jahren stetig gewachsen." Nach einer Führungsbesprechung sei die Idee den Kollegen vor Ort unterbreitet worden, knapp 80 Prozent der Wachmannschaft stimmte für diesen Antrag.

FW3Derzeit sind rund 90 Mann in drei Schichten als Wachdienst eingeteilt, neben der Wachmannschaft gibt es noch weitere 70 Beschäftigte, da die Fachabteilungen Verwaltung, Technik und Ausbildung mit zwei Lehrräumen sich ebenfalls in Cannstatt befinden. "Drei von fünf Hauptabteilungen der Stuttgarter Feuerwehren sind also hier untergebracht", sagt Hohl, zudem gäbe es noch eine zentrale Fahrzeug-Werkstatt, eine zentrale Schlauchwerkstatt und ein zentrales Lager. In Cannstatt befindet sich außerdem die Wasserrettung.

Nach Möhringen ist Cannstatt die zweitgrößte Wache in Stuttgart, rechnet man nach Wachpersonal. Doch auch der Fuhrpark kann sich sehen lassen, unter den zehn Einsatzfahrzeugen hinter den neun Cannstatter Feuerwehrtoren sind unter anderem eine Drehleiter, ein Tanklöschfahrzeug, ein Gerätewagen Wasser für Taucheinsätze im Neckar und ein Rüstwagen Schiene für die Bergung von Straßenbahnen anzutreffen. "Wir wollen historisch an die Bedeutung der Hauptfeuerwachen anknüpfen", sagt Hohl und spielt damit auf die Tatsache an, dass die Berufsfeuerwehr Stuttgart in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiert. Die Stuttgarter Berufsfeuerwehren wurden im Jahr 1891 gegründet, von 1897 bis 1919 erhielt die Feuerwache 1 in der Katharinenstraße 14 als damals erste Wache der Berufsfeuerwehr den Status einer Hauptfeuerwache.

10.12.2002

Rauchende Regisseure, kleine Brände und ein Feuerwehrchef

Aus www.news.de vom 6.2.2004 +
Stuttgarter Zeitung 6.2.2004 + Stuttgarter Nachrichten 6.2.2004
Rolf Hohl von der Stuttgarter Feuerwehr inspiziert auf der Bühne des Schauspiel-hauses in Stuttgart einen pyrotechnischen Effekt.

unten: Rolf Dieter Hohl von der Stuttgarter Feuerwehr inspiziert das Opernhaus in Stuttgart     Foto: dpa


Stuttgart (dpa) - In dunkelblauer Feuerwehr-Uniform eilt Rolf Dieter Hohl zielstrebig durch die Kulissen des Stuttgarter Schauspielhauses. Er grüßt links und rechts, auf der Bühne bückt er sich und hebt ein paar Papierschnipsel auf: «Sehen Sie, die haben bei einer Vorstellung angefangen zu brennen. Die Schauspieler haben das Feuer schnell ausgetreten.»

Hohl hat nichts mit Schauspielerei zu tun, dennoch fühlt er sich auf Stuttgarts Bühnen ganz zu Hause. Als zuständiger Feuerwehrbeamter sorgt er seit 25 Jahren für die Sicherheit der Theaterbesucher in rund 30 Häusern. Deshalb ordnete er auch an, dass das Papier künftig imprägniert werden muss.

«Das Theater ist meine Leidenschaft», sagt Hohl. Seit 37 Jahren ist er bei der Berufsfeuerwehr. Damals habe er sich noch nicht für die Bühne interessiert, im Gegenteil: «Wenn ich als Feuerwehrmann nach der Arbeit noch fünf Stunden als Wache in eine Wagner-Oper gesetzt wurde - das war die größte Strafe. Mittlerweile ist mir die Oper das Liebste.» Inzwischen ist Hohl derjenige, der die Feuersicherheitswachen einsetzt. In den großen Häusern sitzen diese dann bei allen Aufführungen in ihren Nischen auf der Bühne und beobachten das Geschehen durch die etwa einen halben Meter breiten Öffnungen.

Jeden Monat nimmt Hohl bis zu sieben Generalproben ab. Dabei sieht er sich die Stücke an und dokumentiert genau, wann offenes Feuer oder verdächtige Effekte zum Einsatz kommen. Den detailreichen Plan bekommen die Feuersicherheitswachen bei den Aufführungen in die Hand - «Schließlich sollen sie nicht Feueralarm auslösen, wenn nur die Nebelmaschine in Gang gesetzt wurde oder Pyrotechnik losgeht.» Im Ernstfall würden drei Löschzüge aus verschiedenen Richtungen anrücken, sagt Hohl, der die Stuttgarter Hauptwache der Berufsfeuerwehr leitet.

Dass zu jeder brennenden Zigarette auf der Bühne ein mit Wasser gefüllter Aschenbecher gehört, ist für Hohl tägliches Geschäft. Deutlich schwieriger ist es, für die brandtechnisch heiklen Vorhaben der Regisseure Kompromisse zu finden: «Wir müssen einfach eine Lösung finden, schließlich haben die Theater immer mehr Konkurrenz.» So hat Mozarts «Zauberflöte» schon seine ganze Kreativität herausgefordert. Dort sollte ein großer Chor mit 40 bis 50 Kerzen auf die Bühne kommen. Das Risiko war Brandschutzmeister Hohl zu hoch: «Wir haben dann versucht, Gläser über die Kerzen zu stülpen, die aber ausgingen. Schließlich haben wir so lange gebaut, bis es ging.»

Zu schaffen macht dem Sicherheitsmenschen Hohl auch der Trend im Theater, immer näher am Publikum oder mitten drin zu spielen. Die Kulisse wird inzwischen oft noch vor dem eisernen Vorhang aufgebaut, der bei einem Brand zwischen der Bühne und dem Zuschauerraum herabgefahren werden kann, um das Publikum zu schützen. Kniffelig sei beispielsweise eine «Romeo und Julia»-Inszenierung gewesen, in der ein Fechtkampf mit Fackeln mitten im Publikum vorgesehen war. «Direkt hinter der Bühne haben die Feuerwehrleute mit dem Wasserschlauch in der Hand gestanden», erinnert sich Hohl an die Lösung.

Aber auch die Theaterleute mit ihren Eigenarten machen Hohl manchmal das Leben schwer: «Die sind ein ganz eigenes Volk.» So bestehe ein Regisseur immer darauf, während der Generalprobe zu rauchen. «Demonstrativ habe ich ihm gut sichtbar einen Wassereimer an die Seite gestellt und direkt hinter ihm eine Feuerwehrmann postiert.»

Trotz aller Versuche des Feuerwehrbeamten, große und kleine Katastrophen vorherzusehen und zu vermeiden, geht immer mal wieder etwas schief: «Kleinigkeiten wie die brennenden Papierschnipsel passieren immer wieder», gibt Hohl zu. «Größere Sachen sind sehr selten.» Da habe mal eine Kulisse gebrannt oder ein Scheinwerfer, auch ein Eisblock aus Kunststoff sei durch ein brennendes Schwert schon mal in Flammen aufgegangen. «Die Zeit der großen Theaterbrände ist aber vorbei, zumindest wenn Zuschauer und Feuersicherheitswachen da sind.» Inzwischen würden die Brände im Keim erstickt.

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