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Stuttgarter Zeitung vom 29.7.2003

Feuer und Flamme für das kleine Museum unterm Dach
Traumreise auf und unter Aspergs Hügel (Kreis Ludwigsburg)

Ferientrips zu Musen und Museen (2):
Im Feuerwehrmuseum in Asperg ist die "womöglich größte Helm- und Feuerwehrfahrzeug-Sammlung" zu bestaunen


Helme aus der ganzen Welt

Ob nun aus Politfrust, Sparsamkeit oder Heimatliebe: viele Bürger der Region Stuttgart tun es dem Kanzler gleich und urlauben zu Hause. Damit es dabei nicht langweilig wird, bieten wir eine Serie voller hübscher Attraktionen - lauter kleine Museen mit großem Angebot.

Von Verena Mayer

Hans Dahm ist ziemlich froh, dass er nicht in der Vergangenheit lebt. Von seiner imaginären Bäckerei wäre bei einem Feuer wenig mehr als die verkokelten Grundmauern übrig geblieben, sagt er. In Wirklichkeit ist Hans Dahm nicht Bäcker, sondern der Erste Beigeordnete der Stadt Asperg und ein Mitglied der hiesigen Interessengemeinschaft (IG) Feuerwehrmuseum. Als solches hat der 58-Jährige sich und den Besuchern des Museums oft ausgemalt, was passiert wäre, hätte seine imaginäre Bäckerei in der Ortsmitte vor rund 100 Jahren gebrannt:

Hilfe schreiend wäre er mit den Beinen unter den Armen zu einem kleinen Häuschen in drei Minuten Entfernung gerannt, wo die einzige Löschspritze des Ortes beherbergt war. Auf einem Horn hätte der Bäcker Dahm das Feuersignal zu tröten versucht, was ihm vermutlich - wegen seiner Aufregung - nicht gelungen wäre. Zur Michaelskirche wäre er sodann gehetzt, hätte den Pfarrer ans Glockenseil kommandiert und diesen den Alarm schlagen lassen. Eine Viertelstunde, meint Hans Dahm, wäre locker vergangen, bis die Bauern, Müller und Metzger, die weiland die Feuerwehr bildeten, schließlich vor seiner brennenden Bäckerei gestanden hätten. Und mindestens noch einmal so lange hätte es vermutlich gedauert, bis aus dem schweren, genieteten Lederschlauch die ersten Wassertropfen gespritzt wären.

aspergWürde Hans Dahms real existierender Arbeitsplatz, das Asperger Rathaus, heutzutage in Flammen stehen, dauerte es allenfalls fünf Minuten, bis die Feuerwehrmänner "voll einsatzfähig am Ort" wären, sagt Dahm, der daher froh ist, dass die Vergangenheit vergangen ist und er sich in seinem Museum damit beschäftigen kann.

"Wer sich mit der Geschichte der Feuerwehr befassen will, kann das hier tun", sagt er und schwenkt seinen Arm über die "womöglich größte Helm- und Feuerwehrfahrzeug-Sammlung, die es gibt". Zu wachsen begann sie in den 70er Jahren mit einer "bescheidenen Sammlung alter Helme". Aus Messing waren diese und lagen im Feuerwehrhaus, das neben dem Rathaus steht und heute selbst Museumscharakter hat, weil es so klein und eng ist. Zum Glück für die Feuerwehrleute dürfen sie bald in einen großen Neubau am Stadtrand umziehen.

Die Mitglieder der späteren IG Feuerwehrmuseum haben schnell Gefallen an den antiquierten glänzenden Kopfbedeckungen gefunden, entsprechend viele Flohmärkte abgeklappert, andere Sammlungen aufgekauft und Mitte der 90er Jahre schließlich festgestellt: "Wir brauchen mehr Platz." Im Dachgeschoss der ehemaligen Schillerschule in der Schillerstraße haben sie diesen gefunden. Eine Wohnung, die "grausam" aussah, haben die sieben Männer und Frauen in 4500 ehrenamtlichen Arbeitsstunden herausgeputzt, sich von den hauptamtlichen Kollegen des Mercedes-Benz-Museums in Stuttgart beraten lassen, die insgesamt 150 Quadratmeter großen Zimmer liebevoll eingerichtet und schließlich nach zwei Jahren Vorbereitung am 17. April 1997 das Asperger Feuerwehrmuseum eingeweiht.

"Weg von der Masse, hin zur geschichtlichen Ordnung" erläutert Hans Dahm das Konzept. Daher sammle die IG nicht alles, was die Feuerwehr zu bieten hat, sondern legt ihr Augenmerk auf persönliche Ausrüstungsgegenstände. Viele sind das anno dazumal nicht gewesen. "Jacke, Beil, Helm - und fertig war der Feuerwehrmann", resümiert Hans Dahm, der über die Geschichte der Feuerwehren auch ein Buch geschrieben hat.

Also lagern in den Vitrinen Helme aus 15 Jahrzehnten und der ganzen Welt, Beile und Laternen. An den Wänden hängen außer historischen Fotografien und Feuerwehrleitern Eimer aus Leder und Tuch, denen man ansehen kann, dass sie nicht mehr viel Wasser in sich hatten, als sie die Feuerstelle am Ende der Eimerkette erreichten. Eine Handdruck- und eine Dampfspritze sind in dem Dachgeschoss ausgestellt, besagtes "Löschkärrele, das die Männer mit Mordskaracho und Geschrei zum Brandort geschoben haben" und verkleidete Schaufensterpuppen, die angesichts der spärlichen Schutzausrüstung heftiges Mitleid für den Feuerwehrmann von anno dazumal wecken.

Einen Museumsshop gibt es im Dachgeschoss der Schillerstraße Nummer drei auch. Dort gibt es unter anderem Hans Dahms Buch zu kaufen und eine Videokassette mit einer 21-minütigen historischen Feuerwehrübung; einstudiert vor fünf Jahren zum 125-Jahr-Jubiläum der Asperger Feuerwehr. Ein Gästebuch liegt ebenfalls aus. Gäste aus Ungarn, Frankreich, Dettingen und Gerbersheim haben sich darin verewigt.

"Die Vielfalt ist wirklich lobenswert", haben sie hineingeschrieben und sich für die "fachkundige Führung" bei Hans Dahm bedankt, der schließlich auch noch das Geheimnis der "womöglich größten Feuerwehrfahrzeug-Sammlung, die es gibt" löst: Die 1200 roten, gelben und grünen Mobile, die die kleine Interessengemeinschaft ihr Eigen nennt, sind Modellautos.


Das Feuerwehrmuseum öffnet seine Tür nur nach der vorherigen Anmeldung.
Diese ist möglich unter der Telefonnummer 0 71 41 / 26 92 20.
Der Eintritt kostet einen Euro, für Kinder ist er frei.
Rund 4000 Gäste haben das kleine Museum seit der Eröffnung vor gut sechs Jahren besucht und dabei vermutlich festgestellt, dass es in Asperg auch noch andere Sehenswürdigkeiten gibt.

Das Weingärtnermuseum in der historischen Kelter zum Beispiel, wo von der langen Tradition des Weinbaus in Asperg erzählt wird. Auch für diesen Besuch ist eine Voranmeldung nötig. Die Rufnummer lautet: 0 71 41 / 6 24 54. Schön ist auch die Festung Hohenasperg, deren Gemäuer maßgeblich von der sozialtherapeutischen Anstalt und dem Gefängniskrankenhaus okkupiert werden. Um sie herum führt ein historischer Rundweg, der über die Geschichte des Zeugenberges, seine Bedeutung und Verwendung informiert. Die Stadt Asperg bietet auf dem Kulturdenkmal Führungen an. Informationen dazu gibt es unter der Nummer 0 71 41 / 26 92 31.

Zur Stärkung oder zum Träumen kann man in der Schubartstube auf dem Hohenasperg einkehren. Im Sommer ist neben dem Restaurant auch der Biergarten geöffnet, von wo aus sich dem Besucher ein herrlicher Blick ins Neckartal bietet. Die Schubartstube hat dienstags bis freitags von 18 bis 24 Uhr geöffnet, samstags von 16 Uhr an und sonntags von 11 Uhr an.

Wer sofort nach dem Besuch des Feuerwehrmuseums seinen Hunger stillen oder Durst löschen möchte, kann im daneben gelegenen Adler speisen. Das gehobene Restaurant hat im August werktags zu folgenden Zeiten geöffnet: 12.30 bis 14.30 Uhr und abends von 18 Uhr an.
ena

"Geschichte zum Anfassen"

Stuttgarter Zeitung 29.07.2003


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