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Ein Feuerwehrhelm ist mehr als nur ein Kopfschutz

Enslin und KammStuttgarter Zeitung vom 12.2.2009

Klaus Enslin und Holger Kamm stellen in Untertürkheim Feuerwehrhelme aus - Sammlung wird mit Herzblut gepflegt

Die Kopfbedeckung von Feuerwehrleuten ist eine Wissenschaft für sich. So viel steht nach dem Besuch im Untertürkheimer Feuerwehrhelmmuseum fest. Klaus Enslin verwaltet und pflegt 225 Helme und ist Experte auf dem Gebiet.

Von Simone Deitmer

Sein Taschentuch zückt Klaus Enslin häufig bei dem Rundgang durch die Räume der Freiwilligen Feuerwehr Untertürkheim. Bei rund 90 Exponaten gibt es immer irgendwo Staubkörner, die beseitigt werden müssen. Seit 2003 beherbergt das Feuerwehrhaus insgesamt 225 Helme, von denen ein Teil auf langen Regalbrettern aufgereiht ist oder in Vitrinen präsentiert wird. Gruppenführer Klaus Enslin betreut die Sammlung und ist innerhalb der Truppe der Experte in Sachen Feuerwehrhelme. Dass ihm die Kopfbedeckungen aus der ganzen Welt ans Herz gewachsen sind, merkt man dem Oberlöschmeister an. Zu den meisten Exponaten kann Enslin etwas erzählen.

Helme in allen Farben und Formen: Feuerwehrmann Klaus Enslin (links) staubt ein Museumsstück aus der ehemaligen DDR ab, Holger Kamm zeigt ein Exemplar aus Kanada. Fotos Michael Steinert


Da ist zum Beispiel der Metallhelm, den die Untertürkheimer Feuerwehr einst getragen hat. Mit der Eingemeindung des Ortes im Jahr 1905 hatten die Modelle aus Metall jedoch ausgedient. Denn in Stuttgart trug man Lederhelme mit dem Rössle als Wappen. „So hatten die Untertürkheimer damals 250 Helme zu vergeben. ; Daran sieht man auch, wie viele Mitglieder die Feuerwehr zu der Zeit noch benötigt hat", erklärte Enslin. Die Sammlung, die den Untertürkheimern von einem pensionierten Berufsfeuerwehrkameraden geschenkt wurde und auch Abzeichen sowie Ehrenzeichen umfasst, dokumentiert nicht nur die technischen Neuerungen, wie die Umstellung von Metall- auf Lederhelme.

Albert Nothdurft, der inzwischen verstorbene Sammler der Helme, hat auch ein Faible für Feuerwehrausrüstung aus fernen Ländern gehabt. „Auf Reisen hat er deutsche Helme gegen ausländische getauscht*', sagt Holger Kamm, der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Untertürkheim. Mehr als 20 Jahre habe Nothdurft Helme gesammelt, schätzen die Untertürkheimer. Die Liste der Länder, aus denen der Sammler Helme mitgebracht hat, ist lang. Die Exponate reichen von einem Helm aus dem Libanon, von Mallorca, der Mongolei bis hin zu einem Stück der New Yorker Feuerwehr. „In den USA sind Helme aus Kunststoff Standard", sagt Enslin und poliert den markanten Helm mit dem FDNY-Schriftzug. Sein Lieblingsstück ist aber ein prächtig verzierter Helm aus Griechenland, der nur für Paradezwecke genutzt wurde.

Auch im Maschinenraum der Untertürkheimer Feuerwehr liegen viele Helme. „Die sind aber noch nicht reif fürs Museum", sagte Kommandant Kamm. „Die gehören zur persönlichen Schutzausrüstung unserer Mitglieder." Jeder der 42 aktiven Feuerwehrleute hat einen beigefarbenen, reflektierenden Helm aus Aluminium auf dem Spind liegen. ,,Den Kopf zu schützen hat Priorität, deshalb ist der Helm für uns sehr wichtig", so Kamm. Obwohl das
Museum nur nach Voranmeldung besichtigt werden kann und sich hauptsächlich Kollegen, Experten oder Historiker für die Exponate interessieren, ist man doch ein wenig stolz auf die Sammlung - und auf die Homepage des virtuellen Museums. Auf die Website haben seit der Freischaltung knapp 19 000 Internetnutzer zugegriffen. Nicht nur die Helme, auch die Aufarbeitung der Feuerwehrgeschichte liegt den Untertürkheimern am Herzen. „Unser Archiv ist sehr umfangreich", sagt der Hobbyhistoriker Klaus Enslin, der auch im Bürgerverein im Bereich Heimatgeschichte aktiv ist. Alle Dienstbücher der 131-jährigen Historie der Feuerwehr seien noch erhalten. „Man muss diese Dinge in Ehren halten", ist der Gruppenführer überzeugt. Alte Filme zu digitalisieren sieht er ebenso als seine Aufgabe an wie die Dokumentation der Exponate im Internet. „Sonst würde alles verloren gehen."

Griechenland

 

Der Helm aus Griechenland ist ein echtes Prachtstück.



Was seine Kenntnisse angeht, gibt sich Klaus Enslin bescheiden: Obwohl er sich Literatur über Feuerwehrhelme gekauft habe, sei er noch kein wahrer Fachmann auf dem Gebiet. Über die Homepage des Museums im Internet, auf der Fotos von allen Helmen betrachtet werden können, würden häufig wahre Experten mit ihm in Kontakt treten. „Die Leute wollen Stücke kaufen, tauschen oder geben Hinweise auf die genaue Herkunft von bestimmten Exponaten", erzählt der Feuerwehrmann. Hinter den Helmen stecke eben mehr als nur die Funktion als Kopfschutz.

Zutritt für Besucher nur auf Anfrage. Mehr Info unter www.feuerwehr-helm-museum.de

Bei jedem Einsatz dabei

Der Helm hat während der Anfänge der Feuerwehren mehr als eine reine Schutzfunktion gehabt. Prunkvoll geschmückte und verzierte Feuerwehrhelme dienten auch zu Paradezwecken. Meist waren die Helme nach militärischem Vorbild gestaltet. In den vergangenen Jahrzehnten rückte die repräsentative Komponente jedoch mehr und mehr in den Hintergrund.
Die Gestaltung der heutigen Helme ist in der Regel schlicht und orientiert sich nur noch an ihrer Schutzfunktion. Früher wie heute ist der Zweck eines Feuerwehrhelmes, den Kopf gegen herabstürzende oder umherfliegende Gegenstände zu schützen.

Feuerwehrleute tragen deshalb bei jedem Einsatz einen Helm. Moderne Feuerwehrhelme bestehen aus Aluminium, Duroplast, Thermoplast oder Kevlar und sind in der Regel mit einem Nackenschutz ausgestattet. Ein Visier schützt das Gesicht. So wie auch die Helme der Freiwilligen Feuerwehr Untertürkheim, leuchten die meisten Schutzhelme in der Dunkelheit. Zusätzlich kann eine Lampe befestigt werden, wie es auch das eine oder andere Mitglied der Untertürkheimer Feuerwehr getan hat. „Dann hat man die Hände zum Arbeiten frei", erklärt der Untertürkheimer Kommandant Holger Kamm.                    sd


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