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SIMOS "Kurz vor der Mondlandung"

Artikel aus dem Amtsblatt Nummer 7 der Landeshauptstadt Stuttgart vom 16. Februar 2006

Mit vollem Einsatz:
Experten der Berufsfeuerwehr Stuttgart bereiten die neue Einsatzleitstelle vor

Einsatzleitstelle
Einsatz für Stuttgart: Schichtleiter Heiko Schroff macht mit Expertin
Sabine Strasser den neuen Einsatzleitrechner der Berufsfeuerwehr fit:
Was ist die schnellste Route zum Einsatzort? Foto: Rude
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Das Telefon in der Einsatzzentrale der Feuerwehr klingelt, jemand meldet ein Feuer in Stuttgart. Martin Stingl alarmiert schon während des Telefonats die zuständige Wache 4 in Feuerbach. Rainer Kauderer informiert die Polizei, Jochen Wulff den Rettungsdienst. Kaum eine Minute später melden sich die Kollegen per Funk, sie sind im Löschfahrzeug unterwegs.

Obwohl die Schnelligkeit, Präzision und Effizienz der Stuttgarter Berufsfeuerwehr sehr hohen Ansprüchen genügt, soll das System noch verbessert werden. Von April an koordiniert die neue Leitstelle für Sicherheit und Mobilität Stuttgart, kurz SIMOS, die Einsätze in der Landeshauptstadt.

Neuer Rechner

"Damit machen wir einen riesigen Quantensprung in Sachen Technik", sagt Schichtleiter Heiko Schroff. Der zehn Jahre alte Einsatzleitrechner in der Cannstatter Wache wird ausgewechselt, und die Zentrale zieht in den Neubau auf der anderen Seite des Hofes. Außerdem bildet SIMOS die gemeinsame Basis für die Feuerwehr und das Deutsche Rote Kreuz, das bislang in der Heilmannstraße stationiert war.

Doppelte Belastung

Einfacher gesagt als getan: Seit vergangenen November arbeiten die insgesamt 27 Feuerwehrmänner der Einsatzzentrale in der Mercedesstraße 35 unter einer Doppelbelastung. "Im Prinzip hat uns die Firma Novotec eine funktionell leere Hülle geliefert", sagt Schroff über den neuen Rechner. Stuttgarts Straßen- und Ortsnamen, wichtige Informationen zu zentralen Objekten oder Lagerorte von Gefahrgut müssen nachträglich eingegeben werden - neben dem normalen Schichtdienst her. "Momentan haben wir rund 40 Prozent der nötigen Daten gespeichert."

Ob diese tadellos funktionieren, wird immer wieder getestet. Am Computer simuliert Schroff den Ernstfall, einen Wohnungsbrand in einem Wohngebiet von Bad Cannstatt. Alles funktoniert nach Plan. Der Rechner zeigt eine genaue Karte des Einsatzortes und spuckt eine Liste der Fahrzeuge aus, die zur Bekämpfung des Feuers benötigt werden. Schroff kann sie mit einem Mausklick alarmieren, genauso kontaktiert er die Polizei.

"Die Benachrichtigung des Rettungsdienstes erübrigt sich natürlich, das wird jetzt auch von hier erledigt." Ein kleiner Fehler wird ausgebessert, die zuständige Freiwillige Feuerwehr ist nicht angezeigt. "Hier müsste ein UNT stehen, für die Kollegen aus Untertürkheim", zeigt Schroff auf dem Monitor.

Es geht um Leben und Tod

Der Druck, der auf den Männern lastet, ist gewaltig, wie Pressesprecher Guido Thimm sagt: "Wenn die neue Leitstelle übergeben wird, muss alles reibungslos funktionieren, da geht es um Leben und Tod." Seit Oktober 2005 bestimmen Stress, ungewohnte Arbeitszeiten und große Verantwortung den Alltag von Schroff, seinem Bruder Andreas, Klaus Kehl und Volker Prinzing, den vier Schichtleitern der Leitstelle. "Wir füttern den Rechner und organisieren die Schulung unserer Leute am neuen System", sagt Schroff. Dieter Kahle, der technische Experte des Projekts, spricht allen aus der Seele: "Man fühlt sich wie bei der NASA, kurz vor der ersten Mondlandung."

Sechs Tage die Woche, acht Stunden lang hauen abwechselnd Feuerwehrmänner und Mitarbeiter des Roten Kreuzes in die Tasten und gewöhnen sich an das neue System. Bei Problemen stehen ihnen Sabine Strasser und ihre beiden Kolleginnen zur Seite. Ihr Arbeitgeber ist das österreichische Unternehmen Lebig, das die Rettungsleitstelle in Niederösterreich betreibt. "Da wir schon länger mit dem selben Einsatzleitsystem arbeiten, helfen wir anderen Standorten bei der Einführung", sagt Strasser.

Rotes Kreuz und Feuerwehr

Heute sitzen die DRK-Kollegen im kleinen Lehrsaal. Sechs Arbeitsplätze, jeder umringt von vier Flachbildschirmen, erinnern an eine Kommandobrücke und weniger an ein Schulungszimmer. Die Atmosphäre ist entspannt, Dienstgruppenleiter Rainer Schmidt macht Kaffee für alle. Bunte, mit Markierungen gefüllte Stadtpläne, Listen und Graphiken flimmern über die Schirme.

Die Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz bedeutet einen neuen Dienstalltag für die Männer unten in der Leitstelle. "Man kann nur voneinander lernen", sagt Wulff, und Schroff prophezeit: "Mit doppelt soviel Personal wird es um einiges lebhafter sein."

Stadtplaner profitieren

Selbst das Stadtplanungsamt profitiert von der Umstellung des Systems. "Bei der Übertragung in den neuen Rechner werden die Daten kontrolliert, verifiziert und ausgesiebt", so Schroff. Veraltete oder doppelte Informationen werden gelöscht, und die Stadtplaner auf den neuesten Stand gebracht. Der passionierte Feuerwehrmann lächelt verschmitzt: "Keiner kennt Stuttgart so gut wie wir."

Cornelia Pohl


Einweihung der Leitstelle für Sicherheit und Mobilität Stuttgart (SIMOS)

Artikel aus www.Stuttgart.de der Landeshauptstadt Stuttgart vom 27. April 2006

Feuerwehr-, Rettungs- und Verkehrsleitstelle mit dem Krisenstab der Landeshauptstadt Stuttgart unter einem Dach.

26.4.2006 - Neue Zentrale setzt Maßstäbe in Zusammenarbeit der verschiedenen Einrichtungen Pünktlich zur Fußball-WM nimmt die Stuttgarter Leitstelle für Sicherheit und Mobilität (SIMOS) ihren Dienst auf. Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster weihte am Mittwoch, 26. April gemeinsam mit dem Leiter der Branddirektion Dr. Frank Knödler, dem Vorsitzenden des DRK-Kreisverbandes Stuttgart Dr. Lorenz Menz und Ministerialdirigent Reinhard Klee als Vertreter des Innenministeriums die bundesweit einmalige Leitstelle ein.

SIMOS
Innenansicht der neuen Leitstelle für Sicherheit und Mobilität (Foto: Rudel)

Vier Leitstellen unter einem Dach

In SIMOS agieren vier Leitstellen unter einem Dach, ohne dass deren operative Eigenständigkeit beeinträchtigt wird: die Integrierte Leitstelle (ILS) der Feuerwehr Stuttgart und des Deutschen Roten Kreuzes, die Integrierte Verkehrsleitzentrale (IVLZ) des Amts für öffentliche Ordnung, des Tiefbauamts, der Stuttgarter Straßenbahnen AG und des Polizeipräsidiums Stuttgart sowie der Führungs- und der Verwaltungsstab der Landeshauptstadt für außergewöhnliche Ereignisse und Katastrophen.

SIMOS - ein bundesweit einmaliges Projekt

"Mit der neuen Leitstelle für Sicherheit und Mobilität haben wir die Chance, die Sicherheitslage auch im Bereich Verkehr und Notfallmanagement in der Stadt entscheidend zu verbessern", so Oberbürgermeister Schuster. "SIMOS ist ein bundesweit einmaliges Projekt, das Maßstäbe setzt. Die Spezialisten der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr finden nunmehr ideale Arbeitsbedingungen vor. Die Zusammenarbeit und die Technik in der neuen Leistelle sind vorbildlich."

Der für die Feuerwehr und den Katastrophenschutz zuständige Abteilungsleiter im Innenministerium, Ministerialdirigent Reinhard Klee, lobte die neue Leitstelle SIMOS als zukunftsweisende städtische Führungseinrichtung für Feuerwehr, Rettungsdienst, Bevölkerungsschutz und Verkehrsleitung. "Es beruhigt mich sehr, unsere Gäste und unsere Bürger in guten Händen zu wissen und dies nicht nur während der Weltmeisterschaft, sondern dauerhaft und nachhaltig. Die neue Leistelle ist Teil eines langfristig angelegten Konzepts, um eine optimale Verkehrsführung in und um die Landeshauptstadt zu ermöglichen und die Sicherheit weiter zu verbessern", sagte Klee.

"Die neue Leitstelle liefert den Bürgern in jeder Gefahrenlage schnelle, umfassende und professionelle Hilfe aus einer Hand und sorgt bei hohem Verkehrsaufkommen für besseren Verkehrsfluss. Dies war nur Dank der Visionen, der Beharrlichkeit und der Ausdauer aller Beteiligten möglich. Die Verantwortlichen können auf das Ergebnis stolz sein", sagte Klee.

Der Neubau auf dem Gelände der Hauptfeuerwehrwache an der Mercedesstraße ersetzt die alte Feuerwehrleitstelle und die Rettungsleitstelle des Deutschen Roten Kreuzes, die bislang in der Heilmannstraße stationiert war.

Synergieeffekte durch Vernetzung der Leitstellen

"Durch die Vernetzung in der neuen Leitstelle ergeben sich zahlreiche Synergieeffekte", so Knödler. "Wir haben in SIMOS kurze Wege und können die Rettungs- und Einsatzkräfte effektiv einsetzen. Der Verkehr kann optimal gesteuert werden, gerade bei Unfällen und Schadenslagen in der Stadt." Bei Einsätzen der Feuerwehr, bei denen es zu Verkehrsbehinderungen kommt, wird die Verkehrsleitzentrale unmittelbar informiert, kann sofort reagieren und geeignete Maßnahmen zur Verkehrslenkung einleiten.
Für Dr. Menz ist die neue Leistelle ein Projekt, von dem vor allem die Bürger profitieren. "Es ist uns alles andere als leicht gefallen, einer Integrierten Leitstelle zuzustimmen, da wir um die Qualität und Leistungsfähigkeit der bisherigen Rettungsleitstelle wissen. Es war für uns ein schwieriger und konfliktreicher Weg. Jetzt wollen wir aber nach vorne schauen und zeigen, was moderne Technik möglich macht, wenn die Verantwortlichen und Mitarbeiter zum Wohle der Bürgerschaft Stuttgarts zusammenstehen."

Der Bau der neuen Leitstelle erfolgte im Eiltempo: Von der Idee bis zum Baggerbiss vergingen nur acht Monate, in weiteren 15 Monaten konnte das Projekt abgeschlossen werden.

Die reinen Baukosten betragen 4,5 Millionen Euro, rund 10 Millionen Euro wurden in die Technik investiert. Durch die gemeinsame Nutzung von Anlagen wie Stromversorgung, Klima- und Lüftungstechnik sparen die Partner rund 1,1 Millionen Euro. Die Mietkosten reduzieren sich gerechnet auf die nächsten 25 Jahre um rund 1,8 Millionen Euro. Bund und Land unterstützen die neue Leitstelle mit rund 2,5 Millionen Euro. Zukünftig werden 54 Mitarbeiter im Schichtdienst in der Leitstelle arbeiten.

In der Steuerzentrale für fließenden Verkehr

29.08.2007 UNTERTüRKHEIMER ZEITUNG:
Leser sind von Leitzentrale für Sicherheit und Mobilität beeindruckt - Rettungsdienste und Verkehrsexperten unter einem Dach
Von Mathias Kuhn
Wo alle Notrufe unter der Telefonnummer 112 eingehen, sämtliche Rettungseinsätze der Feuerwehr und der Krankenwagen koordiniert werden und für möglichst fließenden Verkehr auf Stuttgarts Straßen gesorgt wird, waren gestern unsere Leser zu Gast: in der Leitzentrale für Sicherheit und Mobilität (SIMOS) bei der Feuerwache Bad Cannstatt.

Der Neubau im Hof der Feuerwache fällt zwar wegen des roten Anstrichs auf, die Abkürzung SIMOS ist vielen Stuttgartern dennoch kein Begriff. „Dabei werden von hier aus wichtige Funktionen unseres Lebens gelenkt“, wundert sich eine Leserin. Nach der zweistündigen Führung durch das Schaltzentrum der Sicherheit und des Straßenverkehrs war nicht nur sie vor allem von den Möglichkeiten der Verkehrsbeeinflussung beeindruckt.

SIMOS  SIMOSI
Fotos:Enslin

In rekordverdächtiger Zeit ist 2006 das Gebäude für 14,2 Millionen Euro erbaut und wenige Wochen vor Beginn der Fußball-WM eingeweiht worden. Den größten Batzen Geld schluckte die Technik. Zehn Millionen Euro für ausgeklügelte Systeme, Groß- und Kleinmonitore und innovative Technik. „Steuergelder, die sich gelohnt haben“, ist Wolfgang Jäger seit gestern überzeugt.

Im Alltag ist dort einerseits die gemeinsame Leitstelle der Feuerwehr und des Roten Kreuz sowie andererseits die Verkehrsleitzentrale integriert, in dem Vertreter der SSB, der Polizei, des Ordnungs- und des Tiefbauamts den Verkehr steuern. Einmalig in Deutschland. Im Krisenfall oder bei Großveranstaltungen wie der Fußball-WM wird das SIMOSGebäude zusätzlich zur Schaltzentrale der Entscheidungsträger. Der Verwaltungs- und Führungsstab mit OB Schuster als Vorsitzenden bestimmen die Geschicke der Stadt - und zwar in jenem Raum, in dem Guido Thimm und Rolf Thomas, der Leiter der Verkehrsleitzentrale, unsere Leser begrüßten.

„Wenn ein Stuttgarter die 112 wählt, landet sein Anruf automatisch bei einem der Männer unserer Leitstelle“, holte Thimm die Besucher in die Normalität zurück. Egal ob DRK- oder Feuerwehr-Beschäftigter - der Mann am anderen Ende nimmt den Notruf des Bürgers auf und leitet die Maßnahmen ein. „Ob Unfall, Brand oder Herzinfarkt - von hier aus erhalten Feuerwehr oder Rettungswagen ihre Einsatzbefehle“, erklärt der Leiter der Leitstelle.

Großmonitore zeigen den Disponenten im Saal die Verfügbarkeit der Einsatzkräfte an. Ampelschaltung gegen Staus Die Aufgabe der Integrierten Verkehrsleitzentrale ist es dagegen den Verkehr auf Stuttgarts Straßen fließend zu halten. Wie geht dies? Etwa 800 Kameras an Kreuzungen, Verkehrsknotenpunkten, SSB-Haltestellen liefern den Beschäftigten Bilder vom Straßenverkehr. Induktionsstreifen in Straßen verschaffen zudem einen Überblick über den Verkehrsfluss. Auf zähfließenden Verkehr können die Verkehrslenker schnell reagieren: Entweder wird die Ampelschaltung verändert oder versucht, per Wechselwegweiser die Autofahrer zu beeinflussen. „Beispielsweise eine Umleitungsstrecke anbieten, wenn ein Alu-Lastwagen umkippt oder Stadionbesuchern den schnellsten Weg ins Parkhaus zeigen“, so Thomas. Ein Mausklick in der Verkehrsleitzentrale genügt und wie von Geisterhand ändert sich die Ampelsteuerung oder es erscheint eine Umleitungsempfehlung auf dem LED-Leitsystem rund ums Stadion.

„Nach einer entsprechenden Information für Besucher des Genesis-Konzerts löste sich der Stau auf“, erinnert sich Thomas. Etwa 700 Mal pro Monat greifen die Männer zum Wohle der Autofahrer und Anwohner in den Verkehr ein. „Nachdem wir auf Grund unserer topografischen Lage mit den Straßen am Limit sind, kann nur noch die Technik helfen“, erklärt Thomas. „Ein herzliches Dankeschön für diese tägliche Arbeit und die spannende Führung“, zollte Eberhard Rich dem Leiter der Verkehrsleitzentrale ein Lob.


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