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DIE FÜNF WACHEN DER STUTTGARTER BERUFSFEUERWEHR

Feuerwehr erwägt Zusammenlegung von Wachen
Sanierungsbedarf an den Gebäuden wird derzeit ermittelt -
Katastrophenschutzzentrum mit großen baulichen Mängeln

Stuttgart - Der Zahn der Zeit hat in den letzten Jahrzehnten auch vor den fünf Wachen der Berufsfeuerwehr nicht halt gemacht. Wie hoch der Sanierungsbedarf an den Gebäuden ist, wird derzeit ermittelt. Auch eine Zusammenlegung der Feuerwachen im Leonhardsviertel und im Stuttgarter Westen wird in Erwägung gezogen - längere Anfahrtszeiten zu Brandherden will man jedoch keine hinnehmen.

Von Andrea Eisenmann

Das Urteil des Gutachters fiel eindeutig aus: Es sei wenig ratsam, die Feuerwache 5 in Degerloch noch zu sanieren. Neue Wasserleitungen, eine verbesserte Elektronik, Wärmeschutz - die Liste mit notwendigen Maßnahmen füllte sich schnell. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde deshalb am Ende ein Neubau em­pfohlen. „Allein die Innensanierung würde mehr als vier Millionen Euro kosten“, sagt Frank Knödler, der Leiter der Berufsfeuerwehr.

Was für das Gebäude in Degerloch bereits vorliegt, soll es in sechs Wochen auch für die verbleibenden vier Feuerwachen geben: Eine Untersuchung, die den Sanierungsbedarf an und in den Einrichtungen detailliert auflistet. Die Frage, wie viele Mittel in die zum Teil maroden Gebäude gesteckt werden müssen, ist für Gemeinderat und Verwaltung auch aus einem anderen Grund von Interesse.

Seit einigen Wochen mehren sich die Gerüchte, dass in Stuttgart Feuerwachen zusammengelegt werden könnten. Konkret geht es um die Feuerwache 1 im Leonhardsviertel, die zugunsten einer Fusion mit der Wache 2 im Westen der Stadt aufgegeben werden soll. „Die Sondereinheiten würden auf die neue Feuerwache 5 oder andere Wachen konzentriert werden“, gibt Knödler die Überlegungen wieder. Entscheidend ist jedoch, dass auch künftig die Löschzüge so schnell wie möglich am Einsatzort eintreffen.

Eine Verschlechterung der Situation dürfe durch die Zusammenlegung der Feuerwachen nicht entstehen.Die in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie soll aber nicht nur Aufschluss über einen möglichen Zusammenschluss geben, sondern Vorschläge zum künftigen Standort der Feuerwache 5 machen. Ein Neubau auf dem bisherigen Gelände in Degerloch ist ebenso vorstellbar wie ein neuer Standort im Stadtgebiet.
Auch zur Zukunft des Katastrophenschutzzentrums im Westen der Stadt erhofft man sich die eine oder andere Empfehlung. „Eine Investition in das Gebäude lohnt sich nicht mehr“, weiß der Chef der Berufsfeuerwehr. Zu groß seien die baulichen Mängel bereits. Trotz der noch offenen Fragen will man von Seiten der Stadt dringliche Sanierungen nicht hinauszögern. Noch in diesem Jahr wird in Feuerbach mit der Reparatur des undichten Daches der Feuerwache 4 begonnen.

„Wir wollen unsere Spitzenposition unter den Feuerwehren nicht gefährden“, versichert Ordnungsbürgermeister Martin Schairer, dass nach wie vor alle Wachen voll funktionsfähig seien. Sorgen bereiten der Berufsfeuerwehr nicht nur marode Gebäude. Auch in die Nachwuchsgewinnung will man mehr investieren. Im letzten Jahr wies die Jugendfeuerwehr 378 Mitglieder auf. „Der demografische Wandel ist in Ansätzen zu spüren.“ Eine Möglichkeit, dem gegenzusteuern, könnte laut Knödler darin bestehen, dass man früher mit der Mitgliederwerbung beginne.

Die Wachen der Berufsfeuerwehr

Die heutige Feuerwache 1 in der Heusteigstraße wurde 1888 als Magazin für das erste Bataillon der Freiwilligen Feuerwehr gebaut. Seit 1891 dient das Gebäude der damals neu gegründeten Berufsfeuerwehr. Die am Rande der Altstadt liegende Feuerwache verfügt heute über einen Löschzug und ein Sonderfahrzeug für Kleineinsätze. Besetzt ist die Stelle mit 66 Beamten.

Feuerwache 2: Nach über 110 Jahren hatte im Jahre 1983 Stuttgarts älteste Feuerwache in der Leuschnerstraße ausgedient und wurde nach dreijähriger Bauzeit durch einen mehr als 20 Millionen DM teuren Neubau in der Weimarstraße ersetzt. Der Wachbezirk weist eine hohe Bevölkerungsdichte, große Bank-, und Wirtschaftsgebäude, mehrere größere Kliniken und eine Vielzahl an unterirdischen Verkehrsanlagen auf. 78 Einsatzbeamten arbeiten in der Feuerwache 2.

Im Oktober 1906 wurde ein Jahr nach der Eingemeindung von Cannstatt zu Stuttgart in der Brunnenstraße die Feuerwache 3 in Betrieb genommen. Wegen der stetigen Personal- und Fahrzeugzunahme musste eine größere Wache gebaut werden, die wegen des Neckarbettes auf über 500 Stahlbetonpfählen gegründet wurde. Am 10. Juni 1938 konnte sie eingeweiht werden, sie war damals eine der größten und modernsten Feuerwachen. Die Feuerwache 3 in der Mercedesstraße ist mit 78 Einsatzbeamten besetzt.

In der Bregenzer Straße im Stadtteil Feuerbach ist die Feuerwache 4 beheimatet. Im Jahr 1927 wurde das Gebäude als städtisches Elektrizitätswerk gebaut, 1931 wurde es als Sammelgebäude (Technisches Rathaus) genehmigt. Das Wachgebiet erstreckt sich vom nördlichsten Punkt Stuttgart Stammheim Richtung Pragsattel bis zum Höhenpark Killesberg, im Westen von Giebel über Weilimdorf bis nach Mönchfeld. Die Feuerwache ist mit 63 Einsatzbeamten besetzt.

Die Feuerwache 5 liegt im Stadtteil Degerloch im Industriegebiet Tränke. Das Gebäude wurde 1966 erstellt. Die Baukosten betrugen damals 2,87 Millionen Mark. Auf der Wache arbeiten 102 Feuerwehrleute.

Artikel vom 14.05.2009 Eßlinger Zeitung


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