Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 01. 06. 2002

Neue Heimat für Handdruckspritzen, Helme und Drehleitern

Feuerwehrmuseum am früheren Güterbahnhof soll nicht nur Floriansjünger nach Winnenden locken

Winnenden 1.6.2002 - 18 Monate haben die Mitglieder des Fördervereins geschuftet.
An diesem Wochenende nun wird das neue Feuerwehrmuseum in Winnenden am Bahnhof eingeweiht.

VON DIRK HERRMANN

Das Leuchten in den Augen von Helmut Pflüger ist unübersehbar. Seit Jahrzehnten hegt der Winnender den Traum einer neuen Heimat fürs bestehende Museum in der Kastenschule, die letzten eineinhalb Jahre verbrachten er und die zahlreichen Helfer fast jede freie Minute in dem Holzbau neben dem Bahnhof. Nun hat die Schufterei ein Ende. Sämtliche Utensilien, die die Floriansjünger in den vergangenen Jahrhunderten so benötigten, haben künftig eine Bleibe.

Im Jahr 1875 wurde der Schuppen von den Württembergischen Staatsbahnen erbaut, doch in den vergangenen Jahrzehnten wurde der Holzbau mal von einem Holzkohlehändler, mal von einem Sektverkäufer genutzt. Der Abriss drohte, immer wieder fanden zudem Berber ein Quartier in dem Schuppen. Bis Pflüger, der Vorsitzende des Fördervereins Feuerwehrmuseum, auf der Suche nach einem neuen Domizil für das völlig beengte bisherige Museum in der Kastenschule am Bahnhof den idealen Standort entdeckte.

Vor knapp eineinhalb Jahren machten sich die Förderer ans Werk. "Die Bausubstanz war ja durchaus gut", sagt Pflüger. Handwerker aus der Feuerwehr, etwa Elektriker, Maurer oder Sanitärfachleute, wurden rekrutiert, um das Projekte auf die Beine zu stellen. In fast 4000 Arbeitsstunden wurde ein Großteil der Arbeiten in Eigenleistung fertiggestellt. Doch ohne die Zuschüsse wäre das 1,6-Millionen-Euro-Projekt nicht auf die Beine gekommen - von der Stadt gab"s 200 000 Euro, die Karl-Krämer-Stiftung Winnenden steuerte 300 000 Euro bei.

Rund 1000 Quadratmeter, verteilt auf vier Ebenen, stehen jetzt zur Verfügung. Der Verein hat ein klares Sammlungskonzept: "Wir haben fast nur Exponate aus dem süddeutschen Raum", sagt Pflüger. Dazu gehören etwa jene 17 Löschfahrzeuge mit ihren Drehleitern, deren Leitern angesichts der lichten Höhe von zwölf Metern problemlos ausgefahren werden können. Im Keller befindet sich ein Luftschutzkeller, wie er bei den Fliegerangriffen im Zweiten Weltkrieg als Zufluchtsstätte diente. Die Galerie ist mit Kleinlöschgeräten und Handdruckspritzen - etwa aus dem Jahr 1745 - bestückt. Im Dachgeschoss gibt"s Alarm- und Funkgeräte, Uniformen, Helme sowie zahlreiche Orden und Rangabzeichen. Das älteste Exponat des Museums ist ein Ledereimer aus dem Jahr 1712. "Die Leute", so der Vereinsvorsitzende, "sollen die Gebrauchspuren der Feuerwehrgeräte sehen."

Das Museum ist am heutigen Samstag von 10 Uhr und am morgigen Sonntag von 10.30 Uhr an geöffnet. Alle zwei Stunden gibt es eine Führung, Feuerwehr-Musikzüge treten auf, die historischen Geräte werden vorgestellt. Geöffnet ist das Museum ansonsten sonntags von 9.30 bis 12.30 Uhr. Gruppen können sich bei Helmut Pflüger unter Telefon 0 71 95 / 10 30 55 anmelden.

Aktualisiert: 01.06.2002, 06:36 Uhr